Die jüngste Kampagne des Gesunaheitsamtes der Londoner Bezirksverwaltung Westminster City Council, den Magen der Weltstadt aufzuräumen, brachte nur einen Teilerfolg. Das Verfahren gegen das Café Royal wegen 44 behaupteter Verstöße gegen die Gesundheitsbestimmungen endete für das bekannte Restaurant am Piccadilly Circus "im wesentlichen siegreich" (Richter Trevor Maher) und für die Küchenschabe mit einem Freispruch. Für acht weniger wichtige Verstöße bekam das Café Geldstrafen von 675 Pfund auferlegt. Von dem Vorwurf, das Haus sei "mit Kakerlaken infiziert", wurde es jedoch freigesprochen. Der Steuerzahler trägt die erheblichen Kosten des Verfahrens.

Das Gesundheitsamt, zuständig für viertausend Lokalitäten, die Essen abgeben, nimmt seine Aufgabe ernst – zu ernst, wie manche Betroffenen behaupten, die ihm "Übereifer" und eine Vorliebe für "berühmte Namen" vorwerfen. Die Beamten finden Mäuse in Reis und Salmonellen in Sandwiches. Sie stellen Strafanträge oder verwarnen auch nur, aber sie können nicht verhindern, daß die Zeitungen die interessanteren Fälle für ihre Berichterstattung auswählen.

Einer der Fälle betraf den Club Brooks, der in seiner über zweihundertjährigen Geschichte viele Premierminister als Mitglieder zählte. Völlig unbeeindruckt untersuchten die Inspektoren die Küche und fanden Mäusedreck und Küchenschaben, vermißten aber Seife zum Händewaschen und einen Kasten für Erste Hilfe. Die Mitglieder nahmen das überwiegend mit Gelassenheit. Ein Gentleman sprach finster von einer "Variante des Klassenkampfes". "Würden sie (die Inspektoren) genauso mit einem Arbeiter-Club verfahren?" Der Richter erkannte schließlich einige der Vorwürfe als erwiesen an und verurteilte den Vorsitzenden und den Sekretär zu jeweils 390 Pfund Geldstrafe.

Vor einem Jahr inspizierten die Beamten fast fünf Stunden lang das Café Royal mit seinen Küchen und Restaurants, Bankettsälen, Bars und privaten Speiseräumen. Was sie fanden, addierten sie zu nicht weniger als 44 Verstößen gegen Gesundheits- und Sicherheitsverordnungen.

Die Zusammenfassung hörte sich nicht gerade appetitanregend an. 25 Schaben wurden in der Küche der Personalkantine entdeckt, drei in der Konditorei gezählt, eine wanderte auf der Theke der Bar Le Relais. Auf dem Küchenboden wurde Schmutz, an Geräten wurden vertrocknete Nahrungsmittelreste festgestellt. Heißes Wasser gab es nicht, weil die Anlage für seine Bereitung ausgefallen war.

Die Manager des Cafés, das zum Hotelkonzern Trust House Forte gehört, hielten den Angriff für die beste Verteidigung. In Zeitungsanzeigen luden sie das Publikum ein, die Räumlichkeiten zu besichtigen, "um mit eigenen Augen den hohen Standard zu sehen, dem wir unseren Erfolg zuschreiben". Immerhin hat das Haus, 1865 von einem aus Paris vor seinen Gläubigern geflüchteten französischen Weinhändler gegründet, einen Ruf zu verlieren. Zwar erstrahlt es nicht mehr im Glanz des fin de siécle, als Oscar Wilde hier hof hielt und George Bernard Shaw, Kronprinz Edward und Figuren der viktorianischen Literaturszene und Schickeria zu den Stammgästen zählten. Aber das etwas verwinkelte Etablissement will seine Kunden halten, die in einem Jahr dort tausend Konferenzen absolvieren, zu über dreitausend privaten Dinners und vierhundert festlichen Banketts kommen und dabei, nach 14 000 Cocktails, 200 000 Essen zu sich nehmen.

Vor Gericht setzte das Café seine Verteidigung mit großer Energie fort. Inspektor Robin Wood entwarf zunächst ein Schreckensgemälde und als Beweis aus einer Plastiktüte einige der eingefangenen Küchenschaben. Er identifizierte sie als German Cockroach oder Blatella Germanica. Diese deutsche Variante der Spezies sei ein "besserer Kletterer" als der orientalische Vetter, bevorzuge ein feuchtwarmes Habitat und übertrage Krankheiten.