In den zurückliegenden Sommermonaten erlitt die Mehrzahl der deutschen Aktien einen spürbaren Rückschlag. Nach einem Anstieg von rund 50 Prozent seit August vergangenen Jahres war eine Korrektur wohl auch überfällig. Daß sie nicht in eine Börsenschwäche ausgeartet ist, läßt auf ein Wiederaufleben der Kursaufwärtsbewegung hoffen.

Die Korrektur hatte nicht nur negative Vorzeichen. Weiter gestiegen sind die Kurse der Großchemie-Unternehmen. Bei der BASF ist zu berücksichtigen, daß sich ihr Kurs inzwischen durch ein Bezugsrecht ermäßigt hat. In der starken Hinwendung zu den Chemie-Aktien kommt der bei den Unternehmen angekündigte Wiederanstieg der Erträge zum Ausdruck, der sicher auch zu Dividendenanhebungen führen wird.

Wirtschaftliche Gründe werden ebenfalls für den weiteren Anstieg der AEG-Telefunken-Aktien angeführt, wie überhaupt in letzter Zeit Elektroaktien wieder forciert werden. Das ist auch dem Siemens-Kurs zugute gekommen, der sich nun wieder seinem bisherigen Jahreshöchststand nähert. Hier kommt hinzu, daß nach den jüngsten Schätzungen der Banken der Ertrag je Siemens-Aktie in dem am 30. September 1983 abgelaufenen Geschäftsjahr auf 42 (37) Mark gestiegen ist und im laufenden Geschäftsjahr auf 47,50 Mark steigen wird. Demnach wäre der Weg für weitere Kurssteigerungen offen.

Deutlich zurückgefallen sind die Kurse der Bank-Aktien. Dabei weisen die Ertragszahlen der Kreditinstitute deutlich nach oben. Was alle Anleger stört, sind die hohen nationalen und internationalen Kreditrisiken. Der Verlauf der Weltwährungskonferenz in Washington hat noch einmal deutlich gemacht, daß das westliche Bankensystem nur durch Mithilfe internationaler Gremien vor dem Zusammenbruch zu bewahren ist. Und in einer solchen Branche möchte nicht mehr jeder finanziell engagiert sein.

Erstaunlich ist der Kurserholungsprozeß der Stahl-Aktien, angeführt von Hoesch. Obwohl sich dieser Industriezweig in seiner größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg befindet, sind Stahlaktien neuerdings zu interessanten Spekulationspapieren geworden. Die Tatsache, daß Hoesch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreibt und man dort im Hause bereits das Wort Dividende hat fallen lassen, regt die Phantasie der Käufer ungemein an. Klöckner-Aktien liegen noch deutlich unter ihrem in diesem Jahr erreichten Höchststand. Von diesem Konzern ist auch nicht viel Gutes zu berichten. K.W.