Hörenswert

Laway: „Laut Jö nich unnerkriegen! – Lieder und Musik aus Ostfriesland“. Manchmal stammen die Melodien auch aus Irland oder Holland, aber das ändert nichts an der herzhaften musikalischen Botschaft dieses aus Paddy Maindok und Gerd Brandt bestehenden Duos Laway. Sie mahnen, sie wettern, sie beklagen, und sie warnen. Sie singen gegen den schwarzen Tod durch die Ölpest, gegen das verdreckte Meer und die Not der Fischer, sie singen gegen die Industrieansiedlung im Naturschutzgebiet des Dollart-Wattenmeeres und den sinnlosen Abbau der Torfmoore, sie sind traurig über einen mit 55 Jahren entlassenen und so für alt erklärten Eisenbahner und protestieren dagegen, junge Menschen zu fernen Arbeitsplätzen zu treiben, weil „Arbeitsplätze zu den Menschen“ gehören und nicht umgekehrt. Die Sprache ist meistens ostfriesisches, nicht leicht zu verstehendes Platt, in das aber ein liebevoll gemachtes Noten- und Textheft einführt. Die Musik bekommt ihren eigenartigen Charme und ihre Sanftmütigkeit durch ein feinsinniges Arrangement – mit Kontrabaß (gestrichen) und Klavier, Gitarre und Concertina, Waldzither und Dudelsack. Durch die beschwingten Melodien, durch den musikalischen Satz selbst der Tänze und durch den Gesang weht es den Hörer ernst an. (Rillenschlange LC 9259; IMS, In den Kolkwiesen, 3012 Langenhagen) Manfred Sack

Gefällig

Jackson Browne: „Lawyers In Love“ ist kalifornischer Mainstream-Rock von jener Machart, die man von Jackson Browne am allerwenigsten erwarten durfte: in der melodischen Erfindung oft nur ein Abklatsch früherer Songs, in den Texten unpersönlich bis zur völligen Anonymität, im Zusammenspiel so routiniert und zweifellos „gekonnt“, als sollte hier allen Ernstes die (zweifelhafte) These bewiesen werden, daß Kunst eben von Können komme. Die oft sublime und mit pastellfarbenen Bildern betörende Erinnerungs-Poesie früherer Jackson-Browne-Platten fehlt völlig. Der einzige Song hier, der sich über das gefällige Mittelmaß erhebt, ist „Cut It Away“, ein Lied voll von Resignation und Melancholie, das in einem wunderschönen und viel zu kurzen Gitarren-Solo explodiert. Die maßgeschneiderte Konfektionsware, die im übrigen zu hören ist, dürfte „Lawyers In Love“ zum weitaus erfolgreichsten Album des ehemals so herausragenden Singer/Songwriter machen. (Asylum Records 96-0268-1) Franz Schöler

Hörenswert

Edvard Grieg: „Morgenstimmung“ / „Lyrische Stücke“ / „Aus Holbergs Zeit“. Sie dauern im Schnitt nur zwei, drei Minuten – wenig Zeit, um ein detailliertes Gemälde von einem komplizierteren Sachverhalt zu erstellen. Aber es sind ja auch nur eher Stimmungsbilder, Momentaufnahmen einer Atmosphäre, weniger Abläufe als Zustände, die hier „geschildert“ werden. Cyprien Katsaris, mit Vorliebe von großen Projekten wie Liszts Transkriptionen der Beethoven-Sinfonien wie ausgefallenen Programm-Kombinationen in Atem gehalten, hat hier einen eigene Folge aus achtzehn der lyrischen Stücke von verschiedenen Editionen zusammengestellt, die, hintereinanderweg gespielt, selber eine kleine Geschichte erzählt – von der „Arietta“, „An der Wiege“, über das Märchen zur Heimat, zur Natur am Abend, zu zärtlicher Liebe, zum Heimweh und zu den „Nachklängen“. Das trifft sich, mischt sich, plaudert freundlich und ein bißchen altmodisch gefühlig, vermittelt jene ein bißchen abgelegen, versponnen, sich verbergend, in sich hineinhörend anmutenden Genre-Vorstellungen, die gewiß heute durch anderes Nordisches ersetzt sind. Aber es hört sich simpler an, als es ist: genügend Platz, um auch seine blendende Virtuosität in der Technik wie im Nachzeichnen von Farben und Empfindungen gebührend und überzeugend vorzuführen, hat sich der in Paris lebende Zypriote allemal gelassen. (Teldec 6.42925). Heinz Josef Herbort