Gestützt auf die überwiegend positiven Ertragsmeldungen führender deutscher Unternehmen blieb die Aktientendenz weiterhin freundlich. Doch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich der deutsche Aktienmarkt nun schon seit Monaten „seitwärts“ bewegt.

Die meisten Banken führen dies auf die Zinsentwicklung zurück. Hierfür liegt der Schlüssel in den USA. Die deutschen Kreditinstitute sehen sich in diesem Punkt auf Spekulationen angewiesen und kommen in der Beurteilung der künftigen Zinsbewegungen in den USA zu unterschiedlichen, ja sogar zu gegensätzlichen Ergebnissen.

Im Augenblick scheint es so, als ob die amerikanische Notenbank bemüht ist, keinen weiteren Anstieg der Zinssätze zuzulassen. Sie hält sich zurück, weil die Konsumentennachfrage in den USA gegenwärtig nachgelassen hat und dadurch der Druck auf die Preise geringer geworden ist.

Ob dies schon die „Zinswende“ anzeigt, ist zu bezweifeln. Aber schon allein die Tatsache, daß die amerikanischen Notenbankiers zumindest versuchen, die Zinssätze nicht nach oben schießen zu lassen, läßt gewisse Hoffnungen zu.

Das gilt auch für den deutschen Rentenmarkt, auf dem sich die Renditen leicht nach unten bewegen, wie die jüngste Bundesanleihe mit ihrem Nominalzins von nur 8,25 Prozent zeigt. Die kurz vorher aufgelegte Postanleihe war noch mit 8,50 Prozent ausgestattet. Beide Anleihen konnten übrigens ohne Schwierigkeiten plaziert werden.

Setzt sich die Zinssenkung fort – viel ist in dieser Hinsicht bis zum Jahresschluß sicherlich nicht zu erwarten wären die Aktienkurse von der Zinsseite abgestützt. Denn alle in diesen Wochen veröffentlichten Gewinnschätzungen für 1983 und 1984 basieren auf einem Zinsrückgang, der einen Beitrag zur Kostenentlastung leisten würde.

Unter diesem Gesichtspunkt haben die ihrer Zeit meist um einige Schritte voraus befindlichen Börsianer Überlegungen darüber angestellt, welche Unternehmen wohl am meisten von einer Zinssenkung profitieren würden. Sie stießen dabei auf die mit hohen Fremdmitteln arbeitenden Versorgungsgesellschaften. Aber zu massiven Meinungskäufen kam es bei ihnen noch nicht. Einmal deshalb, weil die Zinsunsicherheit noch keineswegs beseitigt ist, zum anderen, weil die Stromerzeuger Leidtragende der strengeren Umweltschutzauflagen und die Politiker nicht immer bereit sind, die daraus entstehenden höheren Kosten umgehend auf die Stromtarife durchschlagen zu lassen. Dennoch ist nicht daran zu zweifeln, daß das RWE für das am 30. Juni 1983 abgelaufene Geschäftsjahr trotz des höheren dividendenberechtigten Kapitals bei acht Mark Dividende bleiben kann. K. W.