Das erste Gespräch zwischen der Regierung und der Guerilla El Salvadors ist gescheitert – beide Seiten spielen auf Zeit.

Das Treffen fand am vergangenen Donnerstag in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá statt. Gastgeber für die vier Vertreter der politischen und militärischen „Armee“ der Guerilla und die Vertreter der „Friedenskommission“ war Kolumbiens Präsident Betancur, Mitglied der Contadora-Gruppe, die sich um friedliche Lösungen in Mittelamerika bemüht.

Er meinte hinterher optimistisch, Türen seien nicht endgültig zugeschlagen worden. In der Sache aber hat es keinen Fortschritt gegeben:

  • Die Regierung verlangt weiterhin, daß die Guerilla ohne Bedingungen ihre Waffen niederlegt und sich an den Frühjahrswahlen 1984 beteiligt. Hinter dieser Forderung stehen alle Parteien El Salvadors, auch die Christdemokraten, auf deren Entgegenkommen die Guerilla gehofft hatte.
  • Die Guerilla betrachtet Wahlen als den Abschluß eines Normalisierungsprozesses: Erst eine gemischte Übergangsregierung; dann Reformen, um Wahlen zu „gewährleisten“ – wozu auch eine Regelung gehören müßte, die bewaffneten Freischärler irgendwie in die Sicherheitskräfte einzugliedern –, zum Schluß freie (unter Umständen vom Ausland überwachte) Wahlen.

Nach diesem Fehlschlag ist nun wieder der amerikanische Sonderbotschafter Stone am Zuge. Wenn überhaupt, wird die Opposition ihm Zugeständnisse machen, gemäß ihrer Auffassung, daß nur Washington den inneren Frieden Salvadors sichern könne, sobald die Guerilla den Kampf aufgibt. Aber eine solche Verwicklung qua Überlebens-Garantie wollte Stone beim großen Treffen nicht geben; dies sei eine inner-salvadorensische Angelegenheit.

Friedliche Lösungen haben zur Zeit aber wenig Konjunktur, die Guerilla versucht südlich der Hauptstadt San Salvador, die Taktik des Militärs zu durchkreuzen: befreite Gebiete – Selbstschutz der Bewohner – schnelle Finanzhilfe für die „Befreiten“. Das Programm zeigt bemerkenswert wenig Fortschritte, weil die Armee bei Kämpfen wenig Rücksicht auf die Zivilisten nimmt und die Guerilla immer noch stark genug ist, durch gezielte Zerstörungen jeden wirtschaftlichen Fortschritt zu verhindern.

Die einzig sichtbare Entwicklung verspricht Schlimmes: Die Selbstschutz-Patrouillen, vom Staat mit Waffen ausgerüstet, werden immer mehr zu einem Parallel-Heer der Ultrarechten. -bi