München

Die Münchner Weißwurst ist, mal ganz global betrachtet, mindestens genauso berühmt wie ihre Heimatstaat oder Franz Josef Strauß. Kauft man sie in New York, sagt man bieder: „One weißwurst, please“, anstatt eine „white sausage“ zu ordern. Und selbst der Chinese bestellt lapidar eine „Weißwulst“ an Stelle einer „ron-wanzi pifu-hen-bai“, was in etwa „weißes Fleisch mit Haut“ bedeutet.

Die Rezeptur der Weißwurst ist, zumindest in Mitteleuropa, lebensmittelgesetzlich vorgeschrieben, die geschmackliche Finesse Geheimnis jedes bayerischen Metzgers, und ihr Hauptbestandteil, Brat aus feinem Kalbfleisch – Östrogene hin, Östrogene her – eindeutig festgelegt.

Daß die Weißwurst nur in Verbindung mit süßem Senf und nach dem Zwölfuhrläuten überhaupt nicht mehr gegessen werden darf, sei hier nur am Rande erwähnt. Der Skandal, um den es geht, ist ein gehaltvollerer, ein wurstinhaltlicher. Brachte doch vergangene Woche ein (noch dazu) bayerischer Metzger, dessen Laden (noch dazu) auf dem traditionsreichen Münchner Viktualienmarkt steht, eine Weißwurst aus Pferde- (noch dazu Fohlen-) Fleisch auf den Markt.

Da wendet sich der Gast mit Grausen und selbst der alte Römer (na, wer war’s denn gleich wieder?) widerruft sein de gustibus non est disputandum. Ist nämlich doch! Eine Weißwurst vom Pferd. Das ist schlimmer als Strauß bei Honecker, schlimmer als König Ludwig im Vorsitz des Spartacus, schlimmer gar als Weißbier aus dem Pappbecher. Wenn jener Metzger bloß irgendwo drüberhalb des „Weißwurst-Äquators“ (?!) sein Pferde verwurstendes Unwesen triebe. So aber gibt es keine ethnologische Entschuldigung. Nicht einmal der Kalauer, daß zur Pferde-Weißwurst ausnahmslos Schimmel verwendet werden dürfen, tröstet.

Soweit sind wir nun. Wir haben das Frühstück fürs Jahr Zweitausend: ein Paar Roß-Weißwürste, dazu den süßen Senf aus der nahen Chemiefabrik (garantiert unbiologisch) und ein alkoholfreies Weißbier Marke „Lätschator“ aus dem Pappbecher mit der Aufschrift „Ein Herz für Kinder“. Guten Appetit. Oder „Mahlzeit“, wie der Bayer sagt...

Karl Forster