Der Index für Maschinenbau-Aktien ist nahezu auf den Stand vom Jahresbeginn zurückgefallen. In der Branche sind Wachstumsimpulse bisher weitgehend ausgeblieben. Wann wird es sich wieder lohnen, Maschinenbau-Aktien zu kaufen?

Die deutschen Maschinenbauer haben in ihrer Mehrzahl den Optimismus der Börsianer nie so recht begriffen. Als die Kurse der deutschen Maschinenbau-Gesellschaften im Frühjahr mit den meisten anderen deutschen Aktien zu haussieren begannen, sah man in der Branche Kopfschütteln. „Ich habe gelernt“, so kürzlich Klaus Murmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Gildemeister AG, Bielefeld, „daß Börsenkurse mit den in einem Unternehmen herrschenden Realitäten nichts gemein haben müssen.“

Aber in Hausse-Zeiten ist das nun einmal so. An der Börse sagt man: „Steigt Butter, steigt Käse!“ Die Ernüchterungsphase, meine verehrten Leser, kommt später. Bei den Maschinenbau-Aktien ist sie inzwischen eingetreten. Es wird Spreu vom Weizen getrennt.

Von der Konjunkturbelebung wird die Branche in diesem Jahr insgesamt noch nichts spüren. Der bisherige Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA), Tyll Necker, ist auf der Jahrestagung der Organisation bei seiner früheren Prognose geblieben, wonach der deutsche Maschinenbau 1983 fünf Prozent seines Produktionsvolumens einbüßen wird. Bis auf Büro/Datentechnik und Landmaschinentechnik seien nunmehr alle Sparten von der Rezession erfaßt worden, sagte er. Den erstmals im August wieder gestiegenen Auftragseingang will Necker noch nicht als Wende gewertet wissen.

Die Wertpapieranalysten der Kreditinstitute sehen die Lage hingegen weniger düster. Erste Anlagekäufe könnten bei den Maschinenbau-Aktien schon heute in Erwägung gezogen werden, schreibt die Westdeutsche Landesbank ihren Kunden. Die Vereins- und Westbank in Hamburg hatte keine Scheu, sogar Aktien der angeschlagenen MAN zum Kauf zu empfehlen. Wer das zum Kurs von 130 Mark für die Stamm-Aktien getan hat, konnte innerhalb weniger Tage einen Kursgewinn von mehr als zehn Prozent buchen. So schnell lassen sich bei den „guten“ Unternehmen der Branche, bei Linde und Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD), Anlageerfolge nicht erzielen.

Nach den Schätzungen der Banken werden die Erträge der meisten Maschinenbau-Unternehmen in diesem Jahr weiter rückläufig sein. Lichtpunkte sind hier die schon erwähnten Unternehmen Linde und KHD. Bei der KHD lag der Auftragseingang bis zur Jahresmitte zwar auch um 20 Prozent unter dem des vorjährigen Vergleichszeitraumes, gleichwohl war auf der KHD-Hauptversammlung von Pessimismus keine Rede. Wahrscheinlich wird der Ertrag je Aktie in diesem Jahr nur leicht zunehmen, aber im nächsten Jahr wieder stärker steigen, so daß dann wohl auch die Dividende von zuletzt 7,50 Mark weiter erhöht werden kann. Solchen Aussichten haben die Anleger durch intensive Käufe Rechnung getragen; Sie ließen den Kurs von seinem diesjährigen Tiefpunkt bis heute um fast 30 Prozent steigen. Dennoch liegt er gegenwärtig um knapp sieben Prozent unter dem bisherigen Jahreshöchststand.

Geht man von einem Ertrag je Aktie von 18 Mark im Jahre 1984 aus, wie er von der BHF-Bank in Frankfurt geschätzt wird, so stellt sich das Kurs-/Gewinn-Verhältnis auf etwa 14 und das ist weder international noch im Vergleich zu den Aktien anderer Maschinenbaugesellschaften zu hoch.