Jungen Unternehmen soll künftig der Weg an den Kapitalmarkt erleichtert werden

Überall sind Banken dabei, Unternehmen börsenfähig zu machen, damit sie sich dringend benötigtes neues Eigenkapital über Aktienemissionen beschaffen können. Die Gelegenheit dazu ist günstig; denn nach der „Wende“ in Bonn gibt es genügend Leute, die bereit sind, Risikokapital zur Verfügung zu stellen. Sie hoffen, daß eine marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftspolitik die Belohnung des Anlegermutes durch entsprechende Unternehmensgewinne zulassen wird.

Auf dem Weg zur Börsenzulassung scheitern viele Gesellschaften an den Hürden, die genommen werden müssen, wenn neue Aktien zum „amtlichen“ Handel an einer Wertpapierbörse zugelassen werden sollen. Selbst der Zugang zu dem sogenannten „Geregelten Freiverkehr dem Vorhof zum amtlichen Markt; ist wegen seiner Zulassungsvoraussetzungen nicht für alle Unternehmen offen.

Um die Börsenzulassung zu erleichtern, hat die Börsensachverständigenkommission beim Bundesfinanzministerium den Vorschlag gemacht, einen „zweiten Markt“ für Aktien zu schaffen, der zwar auch an der Börse angesiedelt ist, aber nicht den strengen Zulassungs- und Publizitätsvorschriften des amtlichen Börsenhandels unterliegt.

So soll künftig die Vorlage eines Prospektes genügen, der bei mittleren Unternehmen nicht über zwei bis vier DIN-A4-Schreibmaschinenseiten hinauszugehen braucht. Der Zwang für die Banken, den Prospekt mit zu unterschreiben, würde entfallen. Damit aber auch die bisherige Prospekthaftung. Also ein deutlicher Abbau des bisherigen, oftmals allerdings übertriebenen Anlegerschutzes. Wer Aktien auf dem „zweiten Markt“ erwirbt, muß einfach wissen, daß es sich um Papiere mit einem besonderen Risiko handelt.

Börsenfähig für den neuen Markt ist ein Unternehmen nach den Vorstellungen der Börsensachverständigenkommission bereits, wenn es zwei Jahresabschlüsse vorlegen kann. Es soll auch genügen, wenn ein Kapital von nur einer Million Mark für den Börsennandel freigegeben wird. In den Börsensälen umstritten ist der von der Kommission gemachte Vorschlag, auf eine tägliche Börsennotiz zu verzichten, sondern die Aktien einer Gesellschaft unter bestimmten Voraussetzungen nur einmal wöchentlich an der Börse handeln zu lassen. Viele Börsenexperten meinen, daß jede Aktie jederzeit handelbar sein müßte.

Erwogen wird ferner, daß nicht nur Banken das Recht zuerkannt werden soll, Anträge auf Börsenzulassung zu stellen, sondern auch Unternehmen, wie zum Beispiel Portfolio-Management in München, das in jüngster Zeit einige neue Gesellschaften an die Börse gebracht hat, dazu aber immer der Mithilfe von Kreditinstituten bedurfte. Die Banken, Träger der Wertpapierbörsen, würden durch die von ihnen besetzten Börsenzulassungsstellen die Kontrolle über die von privaten Firmen vorgeschlagenen neuen Gesellschaften behalten.