Pretoria hofft auf die Uneinigkeit der schwarzen Mehrheit

Von Allister Sparks

Nach zwei Jahrzehnten der Unterdrückung lebt die politische Bewegung der Schwarzen Südafrikas wieder auf. Noch läßt sich nicht beurteilen, wie lange die schwarze Renaissance dauern darf und ob sie überhaupt genügend Anhänger mobilisieren wird, um die Regierung der Apartheid zu Zugeständnissen zu zwingen. Bezeichnend ist jedoch, daß die schwarze Politik zu einem Zeitpunkt auf sich aufmerksam macht, zu dem das weiße Establishment uneins ist – zum erstenmal seit 1948, als die herrschende Nationale Partei an die Macht kam.

Wirtschaftliche Entwicklungen und wachsende Proteste gegen einzelne Regelungen und Auswirkungen der Apartheid veranlaßten Premierminister P. W. Botha zu einigen nicht sehr weitreichenden Reformen. Diese Maßnahmen haben zur Spaltung seiner Partei geführt. Die herrschenden Buren sind sich nicht mehr einig, und die unterdrückten Schwarzen formieren sich neu.

Drei Dachverbände

Im Juni dieses Jahres schlossen sich 200 schwarze Gruppen zu einem „Nationalen Forum“ zusammen. Sie alle berufen sich auf Steve Biko, der für ein politisches Selbstbewußtsein („consciousness“) der schwarzen Mehrheit kämpfte und in Polizeihaft starb – vor nunmehr sechs Jahren. Mit Bikos Bewegung verbindet sich die Erinnerung an die Unruhen von Soweto im Sommer 1976. Rund 400 andere schwarze Gruppen bildeten im August eine weitere, stärkere Vereinigung, die „Vereinigte Demokratische Front“, die die Traditionen der verbotenen ANC („African National Congrpss“) aufgreift. Zur Gründung versammelten sich mehr als 10 000 Schwarze zu einer Kundgebung in Kapstadt, der mächtigsten politischen Veranstaltung in der Geschichte der Schwarzen Südafrikas. Eine dritte Organisation vereinigt die Führer von sieben „Homelands“ (auch von solchen, die Pretoria bereits in die nominelle Unabhängigkeit entlassen hat) und die Bürgermeister einer Reihe von schwarzen „Townships“ – Leute, die bisher in den von der Regierung geschaffenen Institutionen gearbeitet haben, inzwischen aber ihre Illusionen aufgegeben haben. Ihre „Südafrikanische Föderale Union“, die jetzt in Johannesburg ihre Arbeit beginnt, erstrebt eine National-Versammlung unter Beteiligung aller Rassen, die Südafrika eine neue Verfassung geben soll.

Die Politik der politischen Unterdrückung begann 1960, als der ANC verboten wurde, die älteste nationale Bewegung der Schwarzen auf dem ganzen Kontinent. Tausende von ANC-Mitgliedem kamen ins Gefängnis; ihre Führer erhielten lebenslange Haftstrafen. In den nächsten 15 Jahren durften die Schwarzen sich nur in den Institutionen politisch betätigen, die die Regierung für die einzelnen Stämme einrichtete. Wer sich hier engagierte, galt bei den Nationalisten als Verräter – mit einer Ausnahme: Der Zulu-Fürst Gathsa Buthelezi, Führer der größten schwarzen Volksgruppe, lehnte die „Unabhängigkeit“ seines „Homelands“ ab, benutzte die „Homeland“-Organe aber dazu, für die Bürgerrechte der Schwarzen einzutreten. Er war lange Jahre die hörbare Stimme der schwarzen Opposition in Südafrika, auch wenn Radikale ihn als „System-Schwarzen“ beschimpften. Buthelezi spielt jetzt eine entscheidende Rolle beim Aufbau der Föderalen Union.