Von Klaus Pokatzky

Commander MacLane hat mich durch meine letzten Kinderjahre begleitet. Damals steuerte er im Fernsehen das Raumschiff Orion durchs Universum – immer furchtlos, immer siegreich, stets wußte er den rechten Weg. Jetzt steuert Commander MacLane seinen klapperigen, angerosteten BMW durch den schweizerischen Kanton Aargau, und ich begleite ihn. Es geht von Kaiserstuhl am Rhein, wo Dietmar Schönherr mit seiner Frau Vivi Bach lebt, zur Alten Kirche von Boswil. Dort, in einer kleinen, aber feinen schwyzerischen Stiftung, soll Dietmar Schönherr heute abend Texte gegen den Krieg lesen.

Commander MacLane hat etwas Fett angesetzt, um die Hüften herum und im Gesicht – auch wenn er gerade seinen 19. Fastentag erreicht hat. Dietmar Schönherr hat sich nämlich der Internationalen Hungerstreik-Gruppe angeschlossen und fastet für den Frieden. Zwölf Kilo hat er schon abgespeckt.

Es nieselt leicht, doch Dietmar Schönherr lenkt den Wagen mit sicherer Hand. Zügig fährt er und doch vorsichtig – und nebenbei kann er sich noch aufmerksam und konzentriert unterhalten. Er wirkt so gar nicht spontan und erregbar, sondern hat sich ruhig und beherrscht im Griff, stets um überzeugende Formulierungen bemüht. Das scheint nicht der Dietmar Schönherr zu sein, der mit seinen flapsigen bis zornigen Bemerkungen in diversen Live-Sendungen Fernsehgewaltige ins Schwitzen brachte, weil sie für den nächsten Tag die Protest-Anrufe ihrer Verwaltungs-Politiker fürchteten.

"Charakterlich unzulänglich" hat ihn sogar ein deutscher Fernseh-Direktor mal genannt, nachdem er 1971 für den österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky in den Wahlkampf zog. Das war auf dem Höhepunkt seiner Fernsehkarriere: Mit Vivi Bach gestaltete er damals drei Jahre lang vor jeweils 30 Millionen Zuschauern die samstagabendliche Live-Show "Wünsch Dir was". Die "Goldene Kamera" von Springers Familienillustrierte Hör zu hat er dafür bekommen und konnte, ganz nebenbei, leichte 200 000 Mark verdienen, indem er für "Dash" warb.

Später hat er dann, erst im Dritten, dann im Ersten Programm, mit "Je später der Abend", als erster Talk-Show-Master auf unseren Bildschirmen dieses Genre hof- und fernsehfähig gemacht. Jetzt warte mal, jetzt sind wir in Bohlen, also erst mal hier ab. Als die Schweizer ihm vor zwei Jahren auch so eine Plaudersendung verschafften, katapultierte er sich gleich mit der ersten Sendung aus den eidgenössischen Wohnstuben. "Ich kann nur ein Gespräch führen, in dem sich jeder frei äußern kann", hatte er seinen Studiogästen und Zuschauern munter erläutert, denn: "Ich kann mich genauso aufregen über Herrn Reagan oder so ein anderes Arschloch." Jetzt weiß ich doch nicht mehr weiter. Woll’n den da vorn mal fragen.