DIE ZEIT

Der beste Mann fürs höchste Amt

Fast ist es zu einem Gesellschaftsspiel unter Politikern und Journalisten geworden: Abzuwägen und darüber zu argumentieren, ob Richard von Weizsäcker Regierender Bürgermeister von Berlin bleiben oder Bundespräsident werden soll; ob er ganz unentbehrlich in Berlin ist; oder ob es immer wichtiger wird, ihn in Bonn zu wissen.

Rückzug in die Zitadelle

Über Peter den Großen, der Rußland nach Westen öffnete und zur Großmacht prügelte, schrieb der konservative Historiker Nikolaj Karamsin: „Wir sind zu Weltbürgern geworden, haben aber in einigen Fällen aufgehört, Bürger von Rußland zu sein – durch Peters Schuld.

Libanon: Der Patron mit den Kinderaugen

Nur durch seine ungewohnte Kleidung fiel der schlanke, schlaksige Mann auf, der auf dem Ledersofa im Restaurant des Damaszener Sheraton-Hotels saß: Er trug abgewetzte Jeans und eine schwarze Lederjacke.

Zeitspiegel

In allen Rechnungen, die israelische Politiker aufmachen um auszurechnen, wer die für die Nachfolge Menachem Begins nötige Parlamentsmehrheit hinter sich scharen könnte, taucht der Name des früheren Religionsministers Aharon Abuchatzira auf – und verschwindet oft gleich wieder: Der Chef der dreiköpfigen Tami-Fraktion, die das Zünglein an der Waage zwischen rechts und links in Jerusalem darstellen will, muß drei Monate Haft absitzen, zwar nur im erleichterten Polizeigewahrsam, aber wahrscheinlich ohne die Möglichkeit, im Parlament mitzustimmen.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt hat vorige Woche Ägypten besucht Zum Teil war es eine Reise der Erinnerung: an den Friedenspolitiker Anwar el-Sadat. Im Gespräch mit dessen Nachfolger Hosni Mubarak stand die unfriedliche Realität der Region im Vordergrund.: Um den Frieden in Nahost

Wenn Bundeskanzler Kohl jetzt seinen ersten Besuch bei Ägyptens Staatspräsident Mubarak macht, so findet er einen Mann vor, eine Regierung und vor allem ein ganzes Volk, die alle von Freundschaft für uns Deutsche geprägt sind.

Maulkorb für Alt

Franz Alt hat kein Berufsverbot, aber einen Maulkorb erhalten. Jedenfalls in diesem Herbst darf er die renommierte Fernsehsendung „Report Baden-Baden“ nicht mehr moderieren, auch wenn er die Leitung der Sendung behalten soll.

Und nach den Jubel-Feiern?

Kann man Freundschaft herbei-feiern? Die besorgten Politiker, die auf der Suche nach bündnisstärkenden Veranstaltungen im April 1981 während einer Klausurtagung den 300.

Tannenbaum

Der deutschen Seele bleibt wenig erspart: Erst stirbt der deutsche Wald am sauren Regen, nun verlangen Naturschützer ernsthaft, eben diesen Wald zu schützen und deswegen auf den deutschen Weihnachtsbaum zu verzichten, der ja – braun und nadelarm – auf dem Sperrmüll endet.

Richterzorn

Eines der Bonner Spargesetze – es ist noch ein Entwurf – erregte den Zorn eines hohen Richters. Georg Wannagat, Präsident des Bundessozialgerichts in Kassel, rügte den Gesetzgeber.

Polarisierung wird Trumpf

Die SPD bewegt sich immer mehr auf ein Nein zum Doppelbeschluß zu. Ein Landesverband nach dem anderen lehnt die Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik ab; ein führender Politiker nach dem anderen verläßt die alte Linie – erst Brandt, der nun sagt, er sei schon immer gegen den Nato-Beschluß gewesen, neuerdings auch Bahr.

Wenn es „heiß“ wird

Der Prolog zum „heißen Herbst“ war für die Friedensbewegung keine reine Freude. Die Prominentenblockade in Mutlangen am 1. September? Alle Welt redete und schrieb über den Absturz des südkoreanischen Jumbo.

Grüne in Hessen: Ein Sieg der Pragmatiker

Nicht das Ergebnis, sondern seine Deutlichkeit überraschte: Mit einer strammen Dreiviertel-Mehrheit stimmte am Wochenende eine Landesmitgliederversammlung der hessischen Grünen in Petersberg-Marbach bei Fulda einem Antrag zu, den Sozialdemokraten in Wiesbaden eine "kontinuierliche Zusammenarbeit" anzubieten.

Bonner Reaktionen: Ablenkungs-Manöver

Nach einer Woche wirbelnder Nachrichten und widersprüchlicher Nachrichtenpolitik herrscht plötzlich nahezu Stille. Was sich an der Demarkationslinie zum anderen deutschen Staat tatsächlich tut, scheint einer Sperre zu unterliegen.

Sünde, Sühne und die Kirche

Etwas unerwartet, wohl auch für den geduldig zuhörenden Papst, verbreitet sich die Thematik der Diskussion auf nahezu alles Böse, was Menschen, auch Gläubige, auf dieser Erde heute einander antun.

Landesminister wechseln

Der saarländische Wirtschaftsminister Edwin Hügel hatte sich in den letzten Monaten erfolglos wie alle anderen beteiligten Politiker um eine Lösung der Stahlkrise an der Saar bemüht, die angesichts des drohenden Zusammenbruches von Arbed-Saarstahl das kleine Bundesland zu ruinieren drohte.

England: Neuer Kurs bei Labour

Der 41jährige Kinnock errang auf dem Parteitag im Seebad Brighton 71 Prozent der Stimmen bei der Wahl des Vorsitzenden und setzte sich damit überraschend klar gegen seine drei Gegenkandidaten durch.

El Salvador: Immer noch kein Dialog in Sicht

Das Treffen fand am vergangenen Donnerstag in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá statt. Gastgeber für die vier Vertreter der politischen und militärischen „Armee“ der Guerilla und die Vertreter der „Friedenskommission“ war Kolumbiens Präsident Betancur, Mitglied der Contadora-Gruppe, die sich um friedliche Lösungen in Mittelamerika bemüht.

Tod im Manöver

Bei einem Manöver-Unglück auf dem Truppenübungsplatz der Bundeswehr imschwäbischen Münsingen sind am Montag zwei Bundeswehroffizieregetötet worden.

Neue Formationen in Südafrika: Getrennt gegen die Apartheid

Nach zwei Jahrzehnten der Unterdrückung lebt die politische Bewegung der Schwarzen Südafrikas wieder auf. Noch läßt sich nicht beurteilen, wie lange die schwarze Renaissance dauern darf und ob sie überhaupt genügend Anhänger mobilisieren wird, um die Regierung der Apartheid zu Zugeständnissen zu zwingen.

Ostblock: Ein heißer Herbst in Ungarn?

In der Bundesrepublik beginnt die politische Saison nach den Ferien im September, bei uns in Ungarn einen Monat später, aber auch wir werden einen heißen Herbst erleben.

Ein Eiferer in der Gesellschaft von Mördern

Persönliche Herzensgüte" sei für einen SS-Führer eine der ersten Voraussetzungen; seine "nordische Gottgläubigkeit" bewahre ihn vor ausschweifender Erotik wie vor religiösen Betäubungsmitteln aus der "asiatisch-afrikanischen Welt"; sein Fanatismus, verbunden, mit nüchterner Sachlichkeit, werde "den Gegner am tiefsten und schwersten treffen.

Zwischenlager Gorleben: Geprüft und genehmigt

Die riesigen Lagerhallen nahe der Straße Gorleben/Gedelitz sind fast fertig. Hinter Betonmauern und einem Erdwall soll hier zu Beginn des nächsten Jahres das von der Deutschen Gesellschaft für Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen (DWK) gebaute erste große Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Betrieb gehen.

Alternative zur Haftstrafe: Lieber den Park pflegen

Immer mehr Bundesländer geben in jüngster Zeit verurteilten Straftätern, die ihre Geldstrafen nicht zahlen können und deshalb eigentlich eine Freiheitsstrafe absitzen müßten, die Möglichkeit, ersatzweise gemeinnützige Arbeit zu leisten.

Entfremdete Weißwurst

Die Münchner Weißwurst ist, mal ganz global betrachtet, mindestens genauso berühmt wie ihre Heimatstaat oder Franz Josef Strauß.

Reise in die roten Zahlen

Auch nach vier Jahren bringt Karstadt seine Tochtergesellschaft NUR nicht aus der Verlustzone

Biedenkopf: Dissens

Ist Kurt Biedenkopf, der professorale Schnelldenker, noch der wirtschaftspolitische Vordenker der Union? Dann ist er seinem Parteivorsitzenden und Bundeskanzler wieder einmal um einige Längen voraus.

Bonner Kulisse

Daß wir Deutsche unfähig seien, zu lachen, zu weinen, zu trauern – es ist alles schon beschrieben worden. Doch möglicherweise haftet uns noch ein weiterer Mangel an: die Unfähigkeit zu demonstrieren.

Airbus: Kummer

Im Spätsommer, so meinte der Chef von Airbus Industrie, der europäischen Flugzeugbaufirma, auf der Pariser Luftfahrtschau im Juni, werde man über die Entwicklung des – mit 150 Sitzen „kleinen“ – Airbusses A 320 entscheiden, mit dem 1987 die Airbus-Familie ergänzt werden soll.

Der Herr ist fürs Risiko

bendige Bestätigung der alten Erfahrung, daß ein Mann mit seinen Aufgaben wächst. Vielleicht hätte der 53 Jahre alte Franzose in der Geschichte seines Landes Spuren hinterlassen, wenn er seine Karriere in Frankreich fortgesetzt hätte.

Kapitalflucht: Wasserdicht

Der Krieg im Dunkel der Schließfächer währt schon seit Jahren, und an Waffenstillstand ist nicht zu denken. Den Angreifern ist jedes Mittel recht, doch mit den Angegriffenen hat niemand Mitleid: Alle verfolgen amüsiert den unerbittlichen Kampf zwischen französischen Zollfahndern und schweizerischen Bankiers.

Lehrlingsausbildung: Klage-Liste eines Unternehmers

Die Wirtschaft hat in diesem Jahr große Anstrengungen unternommen, um die Zahl der Ausbildungsplätze noch einmal zu steigern und damit der sprunghaft gestiegenen Zahl von Bewerbern anzupassen.

Wirklich nichts gewußt?

Handwerkspräsident Paul. Schnitker kam im Kartellverfahren mit einer milden Buße davon

Italien: Mehr Luft für die Lira

Herr Beyer aus München hat in Südtirol Ferien gemacht. Er möchte am Samstagmorgen über Österreich nach Hause fahren. Da die Banken am Wochenende geschlossen laben, will er vorher bei einer italienischen Bank harte Deutsche Mark in österreichische Schillinge eintauschen.

Frankreich: Liaison de luxe

Die Branche mit den feinen Namen und den teuren Artikeln rückt weiter zusammen. Die neueste Allianz der Luxusindustrie beehrten sich jetzt ST Dupont, der Welt größter Hersteller goldener Feuerzeuge, und der Juwelier Boucheron, exklusiver Goldschmied von der Place Vendôme, anzuzeigen.

Der Schaben-Krieg

Die jüngste Kampagne des Gesunaheitsamtes der Londoner Bezirksverwaltung Westminster City Council, den Magen der Weltstadt aufzuräumen, brachte nur einen Teilerfolg.

+ Weitere Artikel anzeigen