Zwei über die Grenzen ihrer Bundesländer hinaus bekannte Landesminister mußten unter ungewöhnlichen Umständen aus dem Amt scheiden.

Der saarländische Wirtschaftsminister Edwin Hügel hatte sich in den letzten Monaten erfolglos wie alle anderen beteiligten Politiker um eine Lösung der Stahlkrise an der Saar bemüht, die angesichts des drohenden Zusammenbruches von Arbed-Saarstahl das kleine Bundesland zu ruinieren drohte. Die vierköpfige FDP-Fraktion im Saarbrücker Landtag forderte den eigenen Minister öffentlich zum Rücktritt auf; der Mittelständler sei unfähig, mit den Problemen der saarländischen Wirtschaft zurechtzukommen. Hügel folgte nach wenigen Tagen dem Mißtrauensvotum und trat zurück – „aus gesundheitlichen Gründen“.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Rau mußte einen Teil der seit längerem geplanten und wieder aufgeschobenen Kabinettsumbildung vorwegnehmen: Kultusminister. Girgensohn trat nach 13 Jahren im Amt zurück. Der Minister hatte oft wenig Unterstützung seiner Kabinettskollegen für Schulreformpläne erhalten; mit Raus vorsichtiger, Konflikten eher abgeneigten Haltung konnte er sich vielleicht nicht befreunden.

In den letzten Wochen war Girgensohn Ziel von Angriffen wegen seiner früheren SS-Zugehörigkeit geworden – seine Ablösung galt seitdem nur noch als Zeitfrage.

Nach hektischen Beratungen der Düsseldorfer Sozialdemokraten präsentierte Rau den bisherigen Wissenschaftsminister Hans Schwier als Girgensohns Nachfolger; für die Hochschulen des größten Bundeslandes übernimmt mit Rolf Krumsiek der bisherige Leiter von Raus Staatskanzlei ministerielle Verantwortung. Der überstürzte Wechsel in den beiden Ressorts überschattet den Eintritt Klaus Matthiesens in das Kabinett Rau; der Sozialdemokrat aus Schleswig-Holstein wird in Düsseldorf für den im Sommer zurückgetretenen Karl-Otto Bäumer Landwirtschaftsminister. Gi