Franz Alt hat kein Berufsverbot, aber einen Maulkorb erhalten. Jedenfalls in diesem Herbst darf er die renommierte Fernsehsendung „Report Baden-Baden“ nicht mehr moderieren, auch wenn er die Leitung der Sendung behalten soll. Aber Endgültiges ist darüber wohl noch nicht entschieden, manche möchten Alt am liebsten ganz los werden. Für das vorläufige Auftrittsverbot haben sich mehrheitlich die Intendanten und Chefredakteure der ARD und die Spitze des SWF wegen Alts „starker Parteinahme“ für die Friedensbewegung und gegen den Nato-Doppelbeschluß entschieden. Die Ausgewogenheit, argumentieren sie, sei nicht mehr gewährleistet.

Franz Alt leistet auf seine Weise seit einiger Zeit leidenschaftlich Widerstand gegen die Logik der Rüstungspolitik – mit der Bergpredigt auf den Lippen. Sein Buch ist über Nacnt ein Bestseller ohne Beispiel geworden. Zu dieser Resonanz hat gewiß beigetragen, daß Alt sich seit zwölf Jahren auf der Plattform von Report einen Ruf als unabhängiger, engagierter Moderator erworben hat. Jetzt ist er Journalist und Akteur, Popularisierer und Teil der Friedensbewegung, auch Kronzeuge gegen die herrschende Meinung der CDU, deren Mitglied er ist.

Die Zwitterrolle an exponierter Stelle im Massenmedium Fernsehen verlangt Alt Fingerspitzengefühl ab. Er war dazu bereit, wollte Sendungen nicht mehr moderieren, wenn er der Themen wegen in „Gewissenskonflikte“ kommt. Und er wollte seine Aktivitäten in der Friedensbewegung eingrenzen. Nun soll Alt auch dann nicht mehr moderieren, wenn Report von ganz anderen Themen als Raketen und Frieden handelt. Ist schon sein bloßes Erscheinen auf dem Bildschirm Parteinahme? Muß jeder Moderator ein politisches Neutrum sein, wenn schon der Sympathieeffekt, der von ihm ausgeht, dazu ausreicht, ihn abzuberufen? Mit bangem Blick auf den Herbst bemühen sich die Regierenden, die Stimmung im Lande zu ihren Gunsten zu wenden, der Druck auf die Sender wächst. Da wünscht man sich Intendanten, die sich nicht an die kurze Leine legen lassen. Wer Alt einen Maulkorb umhängt, muß sich fragen lassen, ob er nicht selber einen hat. gho