Medizinische Gründe sprechen gegen eine Geburt im Liegen

Von Mathias Hacker

Es gibt viele wüste Geschichten über Ludwig XIV. von Frankreich. Eine der wüstesten ist die folgende: Der „Sonnenkönig“ hatte einen Heidenspaß daran, die Entbindungen seiner Geliebten hinter einem Vorhang versteckt zu beobachten. Weil ihn das so erregte, nahm er sich gleich noch eine weitere Gespielin mit ins Séparée und vergnügte sich mit ihr. Um aber dem Geschehen im Kreißsaal besser folgen zu können, ließ er den üblichen Gebärstuhl durch ein Bett ersetzen.

Mag sein, daß diese Geschichte nicht stimmt. Tatsache dagegen ist, daß die Geburt im Liegen fortan Schule machte. Bald mußten nicht nur in Frankreich, sondern (etwa ab 1800) auch in Deutschland alle Frauen ihre Kinder so gebären, wie sie sie meist wohl auch empfangen hatten: passiv auf dem Rücken liegend.

Bis dahin hatten Frauen in allen Kulturkreisen ihre Kinder in aufrechter Haltung bekommen: Auf einem Sitz aus drei Ziegelsteinen im alten Ägypten, auf einem Hocker im antiken Griechenland, auf einem Gebärstuhl, den die Hebamme mitbrachte, in Rom. In Deutschland war bis ins Mittelalter und in die beginnende Neuzeit hinein der „lebende Gebärstuhl“ üblich: Die Frau hockte auf dem Schoß oder zwischen den Knien einer Hilfsperson, oft des eigenen Gatten.

Doch interessant: Etwa zur gleichen Zeit, als Ärzte als Geburtshelfer die Hebamme zu verdrängen begannen (auch das soll Ludwig XIV. übrigens gefördert haben, weil er den Männern mehr Diskretion zutraute), wurden die Frauen aufs Kreuz gelegt. Und je mehr in den Kreißsälen untersucht, überwacht, operiert, geschnitten und behandelt wurde, um so unabdingbarer schien es, daß die Frau in für den Arzt bequemer Höhe flach auf dem Rücken lag.

Ohne Hektik und Lärm