...und was dann? Erfahrungen mit Kurzstudiengängen an der Gesamthochschule Kassel

Von Franz Neumann

Der Berliner Wissenschaftssenator Wilhelm Kewenig hatte im August in der ZEIT Nr. 33 zu einer neuen hochschulpolitischen Grundsatzdiskussion aufgerufen. Die Debatte ist schon in vollem Gang. Vor einigen Monaten hat Bundesministerin Wilms eine Kommission zur Überprüfung des Hochschulrahmengesetzes eingesetzt; bereits seit längerem zieht der Hochschulverband gegen die Gruppenuniversität zu Felde und fordert mehr Macht für die Professoren; der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ verlangt die Auflösung der Gesamthochschulen, und neuerdings wird nun über eine grundlegende Neugliederung des Studiums diskutiert.

So hat der Wissenschaftsrat seinen Vorschlag von 1978 wieder ins Gespräch gebracht, das Universitätsstudium in ein sechssemestriges Kurzstudium mit einem praxisnäheren Abschluß und ein forschungsorientiertes Aufbaustudium zu unterteilen. Der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Schwier (SPD), seine CDU-Kollegen Oschatz aus Niedersachsen und Kewenig aus Berlin und auch der neue Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz (WRK), Theodor Berchem, haben dieses „Konsekutiv-Modell“ aufgegriffen, allerdings in unterschiedlichen Varianten. Eine bemerkenswerte Konstellation – mit sehr verschiedenen Motiven freilich und mit bestechend klingenden Rezepten.

Allen gemeinsam ist nur eines: Die Studienzeit soll für die Masse der Studenten drastisch gekürzt, die überfüllten Universitäten sollen damit entlastet werden. In ihnen könnte dann ein ausgesiebtes Drittel von Elite-Studenten die angemessene wissenschaftliche Förderung genießen, die Professoren selbst gewännen endlich Zeit für Forschung (worauf es dem Wissenschafts besonders ankommt). Und wenn dann noch die Universitäten das Recht hätten, künftig die Studierfähigkeit der Studienwilligen selbst zu überprüfen und deren Zulassung in eigener Regie zu übernehmen (was Oschatz will), schiene die Patentlösung perfekt.

Erfahrungen nutzen

Der Widerspruch gegen diese Überlegungen läuft quer durch die politischen Fronten: von den Gewerkschaften über namhafte SPD-Politiker bis zum CDU-Ministerpräsidenten Vogel von Rheinland-Pfalz. Man darf also gespannt sein, was eine Schlacht mit so schiefer Ordnung bringt.