Von Jes Rau

Erst kam die Bankrotterklärung von Continental Airlines. Wenige Tage später stellte der Chef von Eastern Airlines, der Ex-Astronaut Frank Borman, die Pleite seiner Gesellschaft in Aussicht, falls die Beschäftigten nicht erhebliche Gehaltskürzungen in Kauf nähmen. Es vergingen keine 24 Stunden, da ließ die Trans World Corporation verlauten, sie denke, daran, ihre Tochtergesellschaft Trans World Airlines (TWA) als selbständiges Unternehmen zu etablieren. Ohne die finanzielle Rückendeckung würden die in den roten Zahlen fliegenden TWA möglicherweise auch zu einem Bankrott-Kandidaten. Es sieht derzeit ganz so aus, als bahne sich in der US-Luftfahrt eine regelrechte Pleitewelle an.

Das überrascht insofern, als die Luftfahrtgesellschaften Amerikas nach Meinung der maßgeblichen Branchenkenner das Schlimmste überstanden haben. Seit 1978, als die Reglementierung der Tarife und Flugstrecken durch die amerikanische Luftfahrtbehörde Civil Aeronautic Board (CAB) aufgehoben wurde, mußten die US-Fluggesellschaften insgesamt Verluste von knapp fünf Milliarden Dollar hinnehmen, wovon 733 Millionen Dollar aus dem letzten Jahr stammen.

Sofern ein Tarifkrieg auf Biegen und Brechen vermieden werden kann, haben die Fluglinien eine gute Chance, dieses Jahr ohne Verlust zu überstehen. Und wenn der Investmentexperte John Pincavage recht behält, dann fliegen sie im nächsten Jahr herrlichen Zeiten entgegen mit Gewinnen in der Gegend von zwei Milliarden Dollar.

So rosig sieht die Zukunft allerdings nur für diejenigen Gesellschaften aus, die gestärkt oder zumindest unbeschädigt aus dem darwinistischen Überlebenskampf hervorgehen, der nun seinem Höhepunkt entgegenzutreiben scheint. Zu den Siegern des Überlebenskampfes werden mit größter Wahrscheinlichkeit die Giganten der Branche gehören, also United, American und Delta Airlines, die dank ihrer Finanzkraft ihr Flugnetz in den zurückliegenden Krisenjahren ausweiten: und ihre Position zwischen den amerikanischen Großstädten und dem Ausland stärken konnten.

Grund zum Optimismus haben aber auch solche jungen Fluglinien wie People Express, die sich ihre Flotte aus Gebrauchtflugzeugen zu Schleuderpreisen zusammengekauft haben und ihre Piloten und Stewardessen weit unter Tarif bezahlen. Die niedrigere Belastung mit Zinsen und Lohnkosten ermöglicht diesen Gesellschaften extrem niedrige Tarife, die wiederum für eine hohe Auslastung der Maschinen sorgen. Einen Platz an der Sonne dürften zudem einige regionale Linien wie die texanische Southwest Airlines haben, die ein dichtes Netz von Nebenstrecken mit einigen wichtigen Hauptstrecken verbunden haben.

Trübe hingegen sind die Perspektiven von Gesellschaften, die mit dem Ballast hoher Zins- und Lohnkosten herumfliegen müssen. Dazu gehören sowohl Eastern als auch Continental Airlines. Um Treibstoff zu sparen, hat sich Eastern zahlreiche neue Maschinen gekauft – darunter auch den Airbus –, und zwar unter Inkaufnahme extrem hoher Zinsen.