Gewöhnlich läßt eine Exkommunikation, mit der die katholische Kirche ein sündiges Schaf vom Sakramentenempfang ausschließt, die weltlichen Herden kalt. Höllendrohung, Kirchenzucht und Bannstrahl interessieren allenfalls, wenn der Heilige Stuhl öffentlich und namentlich exkommuniziert, mit der Rechtsfolge, daß der vom Bannstrahl Getroffene von den anderen Gläubigen „zu meiden“ ist.

Im Fall des katholischen Arztes Josef Zwick aber, des Leiters einer Abtreibungsklinik in Lindenfels im Odenwald, hat die Öffentlichkeit aufzumerken. Zwick wurde mit großem Getöse vom Mainzer Weihbischof Wolfgang Rolly am 26. September exkommuniziert, der Kirchenausschluß im kirchlichen Amtsblatt veröffentlicht. Das ist nur bedingt Stoff für eine Satire. Denn die kirchliche Behörde hat öffentlich und auf außergewöhnliche Weise einen Bürger bloßgestellt, der etwas staatlich nicht Verbotenes tat.

Die archaische, mittelalterliche Ausschließung eines unbotmäßigen Mitglieds, die auch geräuschlos durch einen Einschreibebrief hätte geschehen können, soll nicht nur bei den Gläubigen Schrecken erzeugen, sie soll auch in einem gewissensempfindlichen Bereich, in dem seit zwei Jahrzehnten eine differenzierte Diskussion über den Schutz des ungeborenen Lebens stattfindet, ein harsches Signal setzen. Das kirchliche Machtmittel kommt 500 Jahre zu spät. Heute zeigt es nur die Schwäche der Kirche. Ein solches Mittel gehört nicht in eine freiheitliche Gesellschaft. Kü.