Britischen Forschern gelang erstmals die Herstellung zweifach agierender Antikörper

Von Peter Newmark

Cesar Milstein gilt schon seit Jahren als sicherer Kandidat für den Medizin-Nobelpreis – auch wenn es in diesem Jahr nicht klappte (siehe Kasten). Denn der britische Immunologe hatte 1974 gemeinsam mit seinem Schweizer Kollegen Georges Köhler eine Technik entwickelt, deren Produkte nun dabei sind, die Medizin zu revolutionieren: Milstein und Köhler fanden den Weg zur Herstellung sogenannter monoklonaler Antikörper.

Aus der umständlich benannten Laborkuriosität erwuchsen inzwischen – wie selbst Fachblätter schreiben – „Wunderwaffen“ für Immunologen und Krebsforscher, Mikrobiologen und Genetiker. Denn mit Hilfe spezieller, künstlich fusionierter Zell-Schimären (im Fachjargon „Hybridome“ genannt) und dem Milstein-Köhler-Trick lassen sich beliebig viele identische Kopien – Klone – einer ganz bestimmten Abwehrsubstanz des Immunsystems – eines Antikörpers – ziehen. Und diese monoklonalen Antikörper suchen und finden, unfehlbaren Spürhunden gleich, im Gewebe einen Stoff, auf den sie zuvor per immunologischer Manipulation scharf gemacht worden waren: ganz bestimmte „Antigene“, zu denen etwa jene Oberflächenmerkmale zählen; die so unverwechselbar wie Fingerabdrücke Krebszellen und Mikroben, wildgewordene Abwehrzellen oder kranke Blutplättchen kennzeichnen.

Zwei unterschiedliche Hände

Nun gab Cesar Milstein seiner epochalen Entdeckung gleichsam eine zweite Hand. In der jüngsten Ausgabe der britischen Fachzeitschrift Nature berichtet er, daß ihm die Produktion von monoklonalen Antikörpern gelungen ist, die nicht nur – wie bisher – eine Substanz angreifen, sondern gleichzeitig mit zwei völlig verschiedenartigen Stoffen zu reagieren vermögen.

Milsteins Trick bei der Herstellung zweiarmiger Monoclonals: Er fusioniert eine Zelle, die den Antikörper gegen die erste Substanz absondert, mit einer anderen Zelle, deren Antikörper gegen den zweiten gewünschten Stoff vorgehen. Unter den Produkten einer solcherart entstandenen Zell-Schimäre befinden sich auch Antikörper, die mit beiden Substanzen reagieren. Solche immunologischen Doppelagenten eröffnen mehrere interessante Anwendungsmöglichkeiten in der Erforschung, Diagnose und Therapie von Krankheiten.