Ernst Jandls neuer Gedichtband: "selbstporträt des schachspielers als trinkende uhr"

Von Benedikt Erenz

Spielerisch" steht auf den Rezensions-Etiketts und, unvermeidlich, "experimentell". Dann folgt der Vergleich mit dem frühen und mittleren Jana! (unter dem Gesichtspunkt: weniger spielerisch, spielerisch-experimenteller, oder: jenseits des Experimentellen), der Hinweis auf Nestroy (Wien bleibt Wien), auf Stramm, auf Gertruae Stein. Und irgendwie stimmt das ja auch jedesmal; Jandl selbst hat inzwischen längst alles zugegeben. Und geständige Dichter sind den rezensierenden Germanisten immer noch die liebsten. Haarfein wird da unterschieden zwischen den experimentellen und nicht-mehr-experimentellen Arbeiten des Schriftstellers, und immer wieder und bis zur Selbstüberredung wiederholt, wie ernst die Jandl’schen Spiele zu nehmen seien.

Aber was wird hier eigentlich gespielt? Den neuen schmalen Gedichtband noch in der Frischhaltefolie schnell einmal umgedreht, steht da in des Autors eigener säuberlicher oberstudienrätlicher Handschrift folgendes zu lesen:

der wahre vogel

fang eine liebe amsel ein

nimm eine schere zart und fein