Musik als Medium der Reformation

/ Von Eckhard Roelcke

Beabsichtigt war der Bruch mit der römischen Kirche und damit die Entzweiung der westeuropäischen Christen nicht, als er mit seinen 95 Thesen 1517 in Wittenberg zum erstenmal an die Öffentlichkeit trat. Er wollte vielmehr diskutieren und disputieren, vielleicht einen allmählich möglichen Wandel durch Aussprache herbeiführen. Die theologischen Folgen seines „Anschlags“ sind hinlänglich bekannt: Martin Luther war Ausgangspunkt und geistiger Wegbereiter der Reformation. Sein Protest gegen den Absolutheitsanspruch des Papsttums, gegen die Unfehlbarkeit der Konzilien, gegen die lukrativen Ablaßpredigten Tetzeis hatte Konsequenzen, die weit über den theologischen Inhalt hinausreichten. Viele Historiker sehen im Anfang der Reformationsbewegung das Ende des Mittelalters.

Nahezu jeder, der sich mit Musik näher beschäftigt, versucht auch, diese Kunst in ihren historischen Zusammenhang einzuordnen. Wie reizvoll und aufschlußreich es aber sein kann, mit Hilfe der Musik geschichtliche Entwicklungen und Notwendigkeiten nachvollziehbar zu machen, wird deutlich an einigen Schallplatteneinspielungen, die pünktlich zum Lutherjahr erschienen sind:

„Das thut dem alten drachen zorn – Lieder M. Luthers und seiner Zeitgenossen“; Bären Gässlin; harmonia mundi IC 069-99 964

„Musik der Lutherzeit“; Renaissance Ensemble Köln; EMI IC 069-46 680

„Martin Luther und die Musik“; Wiener Motettenchor, Ensemble Musica antiqua Wien, Leitung: Bernhard Klebel; Christopherus 73964