Der Wettbewerb zwischen den Marktführern eskaliert in diesem Herbst

Von Gunhild Freese

Ab Montag startet das große Zahlenspiel von Tchibo", den Kaffeekäufer locken seit Anfang letzter Woche Anzeigen in sämtlichen TV-Zeitschriften, Werbespots des Hörfunks sowie Schaufensteraufkleber der eigenen Filialen und über 8000 Bäckereien zum Glücksspiel. "Tchibongo" heißt das neue Spiel, weil es dem englischen Bingo nachempfunden wurde. Insgesamt 100 000 Mark setzte der Hamburger Kaffeeröster aus für Mitspieler, die die richtigen Gewinnzahlen auf ihren "Glückskarten" ankreuzen können. Motto: "Mitgemacht – Bargeld lacht." Doch noch mehr Bargeld soll durch diese Aktion in die Kassen des Hamburger Unternehmens kommen. Denn Tchibongo soll vor allem das sonst flaue Oktobergeschäft des Bohnenrösters beleben. Zwar können die Gewinnzahlen auch per Telephon von der Firmenzentrale abgefragt werden, aber der Besuch einer Filiale oder eines Depots wäre den Kaffee-Verkäufern noch lieber. Preissenkungsaktionen und kleine Geschenke sollen den Bohnen-Absatz kräftig ankurbeln und die Verkaufspläne der Wettbewerber kräftig durchkreuzen. "Und dann wollen wir uns Ende Oktober mal die Marktanteile ansehen", freut sich schon jetzt Tchibo-Vorstand Horst Pastuszek.

Über Marktanteile freilich reden die Hamburger Röster bislang nicht so gerne. Pastuszek: "Wir beteiligen uns nicht am Jonglieren mit solchen Zahlen. Verloren haben wir jedenfalls nichts." Die Konkurrenz dagegen sieht das anders: "Tchibo", so wird in der Branche verbreitet, "verliert Marktanteile und ist schon seit zwei Jahren nicht mehr die Nummer eins."

Prozeßlawine

Diese Position mußten die erfolggewohnten Hamburger nach jahrelangem Kopf-an-Kopf-Rennen ihrem Erzrivalen, dem Bremer Kaffeeröster Jacobs, überlassen. Und wenn es allein nach den Hanseaten von der Weser ginge, dann dürften sie ihren Vorsprung allen Tchibo-Lotterien zum Trotz bis zum Jahresende noch tüchtig ausgebaut haben. Drei neue Kaffeesorten sollen da helfen, die seit Mitte September bundesweit in die Regale des Lebensmittelhandels geschoben werden: Die "Meisterröstung", der koffeinfreie "Nacht & Tag" und der Schonkaffee "Wundermild".

Mit der Einführung dieser Sorten, die andere ersetzen, gelang den Bremern ein "brillanter Doppelschlag", wie die Lebensmittel-Zeitung kommentierte. Denn statt der von der gesamten Kaffeebranche dringend erwarteten Preiserhöhung präsentierte Jacobs eine "technologische Revolution", wie das Unternehmen selbst es sieht, und obendrein eine scheinbare Preissenkung. Die neuen Kaffees werden nach einem seit über einem Jahr erprobten neuen Verfahren geröstet – statt bisher vier bis acht Minuten nur noch 90 Sekunden lang –, anders als bisher gemahlen und so erheblich ergiebiger. Statt in Pfund- und Halbpfund-Packungen bietet Jacobs die Kaffeekrümel nun in 400- beziehungsweise 200-Gramm-Paketen an. Trotz des geringeren Gewichts sind die Kaffee-Päckchen im Volumen nicht von den alten zu unterscheiden. Und darin sehen die Bremer; denn auch den Vorteil für die Verbraucher: Sie bekommen aus weniger Kaffee die gleiche Menge und Qualität wie vorher, nur billiger.