/ Von Gunter Hofmann

Bonn, im Oktober

Man ist ja nicht Bundeskanzler, aber die Leute erkennen einen, sind nett und freuen sich", bemerkt Friedrich Nowottny ganz beiläufig. Er lächelt wie allwöchentlich im "Bericht aus Bonn" und winkt nett zurück, als ein Bus mit Bonn-Besuchern an der Straße vor dem WDR-Gebäude vorbeifährt und den Fernsehmann freundlich grüßt. Wir plaudern gerade im Vorübergehen über Macht und Grenzen des Fernsehens. Das Bundeskanzleramt, einen Steinwurf weit entfernt, wirkt in diesem Moment wie Kulisse

Das Fernsehen ist der König der Medien in Bonn. So sehen es wenigstens die meisten Politiker, die von Kommunikations-Fachleuten darin noch bestärkt werden. Ein Ereignis ohne Fernsehen gilt nicht als Ereignis. Der Kanzlerbonus wird als Fernsehbonus verstanden.

Diese Tendenz gab es schon in den siebziger Jahren. Also nichts Neues in Bonn nach dem Wechsel, was das Verhältnis der Regierenden zu den Medien und ihr eigenes Selbstverständnis betrifft? Das sei "kein Thema", sagt Friedrich Nowottny, der Chef des Bonner ARD-Fernsehstudios. Schier gar nichts habe sich verändert. Der Spiegel verliere vielleicht seine Rolle als Informationsquelle. Die Politik werde ein bißchen langweiliger. Aber sonst – keine Spur von Wende. So urteilen auch die anderen Fernsehleute. Sie sind vieles gewöhnt.

Dennoch liegt Veränderung in der Luft. Manches davon läßt sich schon sehen, anderes erst ahnen. Das neue Bild nach dem Wechsel in Bonn setzt sich aus vielerlei Mosaiksteinen zusammen.

Helmut Kohls Regierung, so ist einem sensiblen Beobachter kürzlich aufgefallen, scheine es zu genügen, wenn sie vier Faktoren aus der Presselandschaft auf ihrer Seite habe: das Fernsehen, die Photographen, Bild und die FAZ. Sind die Massenmedien für Kohls Koalition, was die liberale Presse einst für die sozial-liberale Koalition war? Ging es damals um die Zustimmung der kritischen Öffentlichkeit – und geht es heute um die der schweigenden Mehrheit?