Auf den ersten Blick scheint es eine Bagatelle and wohlfeiler Anlaß für dumme Witze zu sein. Doch für Anke Main, Bundestagsabgeordnete der SPD und engagierte Anwältin der Verbraucher, ist der hier geschilderte Fall exemplarisch.

Offenbar beim Fönen in der Badewanne sind gestern eine 29 Jahre alte Mutter und ihr vierjähriges Töchterchen ums Leben gekommen“, berichtete die Lokalzeitung. Ein außergewöhnlicher Fall? Leider nein. Seit ich mich mit dem Thema Haartrockner beschäftige, wächst meine traurige Sammlung: mal sind es zwei elf- und dreijährige Geschwister, mal ein zweieinhalbjähriges Mädchen, das bei den Großeltern zu Besuch ist, mal ein Mann in den Fünfzigern, mal eine Hausfrau. Insgesamt sterben mehr als dreißig Menschen im Jahr an Stromunfällen im Haushalt, wobei allerdings nicht immer zu klären ist, ob es sich um Unglücksfälle, um Selbstmord oder gar um Mord handelt.

Der Stromtod durch den Haartrockner beschäftigt mich auch deshalb stark, weil es sich dabei um ein exemplarisches Beispiel dafür handelt, wie sich in unserem Land und auch innerhalb der Europäischen Gemeinschaft das „Recht auf Gesundheit und Sicherheit“, wie es von der EG als eines der Verbraucher-Grundrechte definiert wurde, zur Freiheit der Anbieter verhält.

Die Geschichte meines nun bald vierjährigen Kampfes um einen Warnhinweis am Fön: Im Februar 1980 die erste schriftliche Frage: „Wird die Bundesregierung Konsequenzen aus den tödlichen Unfällen bei der Benutzung von Haartrocknern in Bädern ziehen und die Hersteller verpflichten, wirksame Warnhinweise auf diesen Geräten anzubringen?“

Die Antwort war deutlich: Die Deutsche Elektrotechnische Kommission bemühe sich, in einer Ergänzung zur VDE-Bestimmung vorzuschreiben, daß in die Gebrauchsanweisung von Haartrocknern ein Warnhinweis und auch ein besonderes Warnbildzeichen aufgenommen werden. Eines von beiden solle zusätzlich auf dem Gerät angebracht werden, allerdings sei die Vorschrift noch nicht verabschiedet, weil bei den weltweiten und europäischen Harmonisierungsarbeiten für eine solche Vorschrift noch keine Einigung erzielt werden konnte. Sollte dies im April 1980 in Madrid nicht durchgesetzt werden, werde die Bundesregierung „unter Ausschöpfung des zwischen dem Deutschen Institut für Normung (DIN) und der Bundesregierung bestehenden Normenvertrages die Verabschiedung der Normergänzung erzwingen. Oder sie werde eine entsprechende Rechtsverordnung erlassen.“

Im Juni stellte ich mündlich die Frage, was die Bundesregierung denn nun erreicht habe. Damit erntete ich viel Heiterkeit im Plenum des Hohen Hauses. Der zuständige Staatssekretär regte an, doch „einen Haartrockner zu entwickeln, der auch einmal in die Badewanne fallen dürfte“. Parlamentspräsident Stücklen setzte noch einen drauf: „Vielleicht können Sie den Haartrockner auch als Umwälzpumpe ausstatten, damit das Baden vollständig wird.“ In der Sache selbst war aber nichts geschehen.

In der Deutschen Elektrotechnischen Kommission habe ich anschließend mehrfach gefragt, ob die Herrn wirklich glaubten, daß Kindern und technisch nicht geschulten Erwachsenen die tödliche Gefahr, die vom Fön in Verbindung mit Wasser ausgeht, hinreichend bekannt sei? Und ob es ihnen nicht selbst lächerlich erschiene, es mit einem Warnhinweis in der Gebrauchsanweisung bewenden zu lassen. Wer liest schon die Gebrauchsanweisung eines Föns: Stecker in die Steckdose, fertig – jedes Kind weiß, wie so ein Ding funktioniert! Man gelobte schließlich Besserung und versprach, ein Bildzeichen am Gerät selbst zu erwägen. Ein Entwurf dafür liegt auch inzwischen vor.