Von Manfred Köhler

In den siebziger Jahren war das „Amir Kabir“ ständig ausgebucht. Das Tramper-Hotel unweit des Telegraphenamtes war der legendäre Treffpunkt aller Globetrotter auf dem Weg von und nach Indien. Hier fand man sich wieder, wenn man auf den verschiedensten Wegen durch den Subkontinent gereist war, hier hingen für die nächste Saison Tips an der Pinnwand. „In Lahore nicht ins Clifton gehen, das Management stiehlt“ wurde da zum Beispiel gewarnt und empfohlen, sich für den Weg durch Belutschistan mit Vorräten einzudecken.

Heute haben sich in den meisten Zimmern des Hotels Kakerlaken eingenistet, nur wenige der Kabüffchen mit Feldbetten und brüchigem Spülstein sind vermietet. Ein Ingenieur aus Bangladesh wohnt hier und zwei Schwarzafrikaner, sonst scheint sich niemand mehr in das Hotel zu verirren.

Als ich am frühen Abend mit zwei Freunden ankomme, können wir uns das beste Zimmer aussuchen, ein letzter Zettel an der Pinnwand stammt aus dem Jahr 1981.

Touristen sind im Iran rar geworden. Die Bildungsreisenden, die unter dem Schah-Regime die antiken Denkmäler im Süden des Landes bevölkerten, fehlen gänzlich; der einstmals breite Strom der Rucksackwanderer, die auf dem Weg ins „gelobte Land“ Indien hier Station machten, ist weitgehend verebbt. Der Landweg ist mühsam und gefährlich geworden, seitdem zunächst die Reise durch den Iran und dann, nach dem Einmarsch der Russen in Afghanistan, auch noch die Fahrt durch das Bergland um Kabul fast unmöglich wurde. Heute fliegen die meisten Globetrotter mit den Billigtickets der „Aeroflot“ über den Iran hinweg. Dabei ist es schon seit langem wieder möglich, für die Islamische Republik zumindest ein Durchreisevisum zu erhalten.

Zwar enthält der Antrag solch bedenkenswerte Fragen wie die nach einer eventuellen Parteizugehörigkeit. Doch nach der Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses arbeiten die Iraner in der Bonner Botschaft zügiger als so manch anderes Land, kaum eine Woche vergeht, bis ein Transitvisum mit sieben Tagen Gültigkeit in den Paß gestempelt ist.

Der Fahrer des Linienbusses von Erzurum in der Osttürkei nach Teheran hatte uns schon weit vor der Grenze mit dem Autofahrergruß seine Meinung über den Ayatollah angedeutet. Nun steht er recht verwirrt neben seinem Bus, als zwei Zöllner ohne Uniformen sich an dem Fahrzeug zu schaffen machen. Alles, was irgendein Schräubchen besitzt, wird auseinandergenommen: Drogen und Alkohol suchen sie. Schließlich baut der Fahrer schwitzend mit Hilfe seines Werkzeugkastens den Bus wieder zusammen.