Von Barbara Hochberg

Dämonen, durch „fließende Ursachen“ hervorgerufen, hielt der griechische Gelehrte Empedokles im 5. Jahrhundert vor Christi für die Auslöser einer ganzen Reihe böser Plagen. Noch älter als die mystische Deutung – offensichtlich so alt wie das knöcherne Stützgerüst im Körper der Lebewesen selbst – ist das Leidensbild. Die Opfer krümmen sich unter den oft unerträglichen Schmerzen entzündlicher Gelenkerkrankungen, die zu Verkrüppelung und Bewegungsunfähigkeit der Gliedmaßen führen können. Zwar schwand der Glaube an krankmachende Dämonen, doch der alte griechische Name hat sich bis heute gehalten: Rheuma, der „fließende Schmerz“.

Allem in Deutschland leben zwanzig Millionen Rheumakranke. Etwa zwei Millionen von ihnen sind an Bett oder Rollstuhl gefesselt. Die ambulante Behandlung der Patienten verschlingt jährlich 4,2 Milliarden, die stationäre im Krankenhaus rund 2,2 Milliarden Mark. „Unter Berücksichtigung des Produktionsausfalles“, rechnet Hanna Neumeister, Präsidentin der Deutschen Rheumaliga, vor, „kostet Rheuma die bundesdeutsche Volkswirtschaft jährlich 35 bis 45 Milliarden Mark.“ So gesehen ist Rheuma die teuerste Krankheit der Welt.

Dennoch behandeln Wissenschaftler und Forschungsbeamte die Krankheit eher stiefmütterlich. Gelder für die Erforschung des Leidens fließen nur zäh, vielleicht, weil ihm auch heute noch der Ruf als Omas Zipperlein anhängt. Dabei erkranken jährlich auch 700 Säuglinge an Rheuma, ist ein Großteil der Patienten keine 40 Jahre alt.

Wegen der stiefmütterlichen Behandlung des Volksleidens machte die Rheumaliga Anfang Oktober mit bundesweiten Veranstaltungen wieder einmal auf die Probleme der Gelenkentzündungs-Patienten aufmerksam. Die Aktivitäten sollen unter anderem helfen, endlich Forschungsprojekte in Gang zu bringen, die aus formalen Gründen oder schlichtem Desinteresse immer wieder auf die lange Bank geschoben werden.

Bei der mangelhaften Grundlagenforschung nimmt es nicht wunder, daß die Ursachen des „fließenden Schmerzes“ noch weitgehend unbekannt sind. Überdies fassen Mediziner unter dem Begriff Rheuma etwa 300 Krankheitsbilder zusammen.