Die Herren sahen in die Zukunft, und sie sahen schwarz: Gentechnik und neue biologische Verfahren, so befanden die neun . Professoren, erschlössen ungeahnte Möglichkeiten. Doch vergleiche man den Stand der Forschung in der Bundesrepublik mit dem in anderen Ländern, so stelle man einen beachtlichen Rückstand fest.

Forschungsminister Heinz Riesenhuber, in dessen Auftrag die neun Gutachter die Qualität der biotechnologischen Großforschung untersucht hatten, bekam damit bestätigt, was er ohnehin längst wußte: Die Bundesrepublik läuft in einer Zukunftstechnik abermals nur hinterher.

Japan und die USA, aber selbst Großbritannien und die Schweiz sind viel weiter in der Fähigkeit, Mikroorganismen und Zellen genetisch so zu manipulieren, daß sich daraus neue industrielle Prozesse entwickeln lassen. Die Bioverfahren der Zukunft sollen bessere Medikamente bringen und größere Ernten bescheren, Rohstoffe ohne Rest ausbeuten und neue Nahrungsmittel möglich machen, Abfälle besser beseitigen helfen und natürlichere, schadlose Prozesse in der Chemieindustrie ermöglichen – einen Innovationsschub von vergleichbarem Ausmaß brachten bisher nur die Mikroprozessoren.

– Da muß schon traurig stimmen, daß Deutschland so richtig nicht dabei sein soll. Denn wenn wahr ist, was die Gutachter ermittelten, war Bonns Förderung der Forschung in der Biotechnologie bisher ein Schlag ins Wasser. Zwar ließ Riesenhubers Amtsvorgänger Volker Hauff, der sowieso mehr ein faible für schnelle Brüter und Computertechnik hatte, vom Bund bezahlte Wissenschaftler an zwei Großforschungsinstituten dem Geheimnis der Gene nachspüren – Kosten über dreißig Millionen Mark im Jahr. Doch was dort bei der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig und beim Institut für Biotechnologie (IBT) der Kernforschungsanlage Jülich herauskam, fanden die Juroren nun eher beklagenswert.

An der GBF, so die Gutachter, seien die "Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der einzelnen Abteilungen von außerordentlich unterschiedlicher Qualität". Leistungsfähige Arbeitsgruppen seien "sehr in der Minderzahl Einige Gruppen betrieben "gute Grundlagenforschung, der aber der gewünschte langfristige Anwendungsbezug" fehle. Die Ergebnisse mehrerer Gruppen seien, "am internationalen Standard gemessen, eher als unterdurchschnittlich zu bezeichnen". Beim IBT in Jülich attestierten die Sachverständigen nur zwei von drei Teilinstituten beeindruckende Leistungen. Das Arbeitsgebiet eines dritten Teilinstituts sahen sie "als problematisch" an.

Bonns Gutachtern mußte höchst gelegen kommen, daß die Bundesforscher sich als Sündenböcke bieten für den schlechten Start der Deutschen in die Bio-Zukunft. Denn von den Herren Sachverständigen ist selber keiner frei von Schuld am Rückstand der heimischen Forschung.