Viel hatte sich Bundeskanzler Helmut Kohl für seine erste Reise in den Nahen Osten vorgenommen. Ursprünglich wollte er seinen Antrittsbesuch in der Krisenregion mit Israel beginnen. Doch Menachem Begin brachte durch seinen Rücktritt Kohls klug abgestimmten Fahrplan durcheinander. Nun mußte er notgedrungen im arabischen Teil des Orients beginnen, in Jordanien, Ägypten und Saudi-Arabien. Die harte Nuß wird er nun, voraussichtlich nächstes Frühjahr, in Jerusalem knacken müssen.

Nicht, daß irgendwer Mißvergnügen daran haben könnte, wenn der Kanzler – wie gegenüber dem Osten – nun auch im Nahen Osten die Kontinuität der Bonner Politik aus den Zeiten der sozial-liberalen Regierung bestätigt hat. Eher muß befremden, daß er den Amerikanern mit Hilfe der Europäer Dampf machen will, die Friedenssuche energischer zu betreiben. Ob die Europäer noch einmal auf eine Linie einzuschwören sein werden? Ob vor allem die Amerikaner sich sagen lassen wollen, was sie gefälligst zu tun haben, noch dazu in einem Wahljahr?

Noch bedenklicher freilich ist der Waffenweg, auf den Kohl in Saudi-Arabien genötigt wurde. Bonn gerät damit in eine Spirale ohne Ende: erst die Saudis, dann die Jordanier. Warum eines Tages nicht auch die Syrer? Und das in einer Weltgegend, wo Kriege an der Tagesordnung sind. Ob Helmut Kohl zuviel auf einmal wollte? D. St.