Auch Touristen können in Amerika Autos überführen

Von Martin Tschechne

Wie gefällt’s euch in Washington? Wie lange seid ihr schon hier?“ Die schwarzhaarige Nikki hält in jeder Hand einen Telephonhörer und zwischendrin plaudert sie mit den beiden Rucksackreisenden, die vor ihrem Schreibtisch sitzen – mit Michael und mir. Wir sind durchgeschwitzt und wissen zur Stadt kaum etwas zu sagen; vor einer halben Stunde erst sind wir mit dem Greyhound-Bus eingetroffen, haben das Gepäck geschultert und uns auf den Weg gemacht. Jetzt wollen wir uns erst ein Auto besorgen, einen richtigen Ami-Schlitten, wenn’s geht. Die Stadt kann warten.

Am anderen Ende der Leitung – rechter Telephonhörer – scheint sich jetzt jemand zu melden. Nikki sagt, daß zwei junge Deutsche aus „Hämborg“ vor ihr säßen, und daß sie das Auto nach Memphis bringen würden. In zwei bis zweieinhalb Stunden könnten sie da sein. Okay. Linker Telephonhörer: Wie kommt man von der 14. Ecke G-Street mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Gaithersburg, Maryland? Das scheint nicht ganz einfach zu sein. Nikki macht sich eine Menge Notizen.

Benzin auf eigene Rechnung

Dann erklärt sie den Weg: „Okay, ihr nehmt die U-Bahn, red line, bis zur Endstation. Dort steigt ihr in den Bus B 2, fahrt bis zur Endstation, und nehmt dann den Kleinbus zur Forrest Lake Mall – könnt ihr nicht verfehlen, das ist wieder die Endstation. Forrest Lake Mall ist ein großes Einkaufszentrum, gleich vorne ist ein Bonanza-Steakhouse. Dort wird euch der Besitzer eures Autos, Jeffrey Ochs, erwarten.“

Jeffrey Ochs zieht um nach Memphis im amerikanischen Bundesstaat Tennessee, etwa 950 Meilen oder 1500 Kilometer von Washington entfernt. Seine Frau und die beiden kleinen Töchter nimmt er im Wagen mit, das zweite Auto der Familie muß jemand anderer nach Memphis bringen.