Von Michael Schwelien

Wer „Nie wieder Krieg“ will, muß auch „Nie wieder Bürgerkrieg“ geloben. Diesen Appell an die eigenen Mitstreiter hörte man erstmals auf der großen Bonner Friedensdemonstration vom 10. Oktober 1981. Heute, da die Aufstellung der neuen Mittelstreckenraketen kaum noch abwendbar erscheint, muß die Mahnung eindringlich wiederholt werden. Je näher das Stationierungsdatum rückt und das Ziel – keine Nachrüstung – als Illusion verpufft, desto mehr wächst das Mißvergnügen am friedlichen Protest, desto mehr steigert sich der Wahn, mit Gewalt doch noch etwas verhindern zu können. Das Wort Bürgerkrieg ist wohl zu hoch, gegriffen, es genügt schon, wenn eine neue terroristische Bewegung entstünde: die Friedensbewegung wäre zumindest gespalten, wahrscheinlich in den Augen der meisten Bürger diskreditiert.

Kaum jemand ist sich dieser Gefahr schmerzlicher bewußt als Robert Jungk. Mit seinem neuen Buch

Robert Jungk: „Menschenbeben. Der Aufstand gegen das Unerträgliche“; Bertelsmann Verlag, München 1983; 223 S.; 25,– DM

hat der Zukunftsforscher jetzt das beste getan, was gegen die Versuchung Gewalt unternommen werden kann. Der große alte Warner vor dem Atom hat sich zu den Quellen aufgemacht, aus denen der breite Strom dir neuen internationalen Friedensbewegung gespeist wird. Bei seiner Weltreise vom (blockierten) Waffenlaboratorium „Lawrence Livermore National Laboratory“ in Kalifornien über den (verhinderten) Truppenübungsplatz im südfranzösischen Larzac zum (überwachten) Treffen einer autonomen Friedensgruppe in Moskau und zum (von Frauen belagerten) Cruise missile-Standort Greenham Common in England entstanden mehrere Dutzend Reportagen vom gewaltfreien Widerstand.

Es sind Geschichten, die man sonst nirgendwo liest; Erzählungen, die all jenen Hoffnung machen können, die sich fragen, ob ihr Engagement etwas nützt; Ermutigung für jene, die in kleinen Gruppen Mahnwachen vor einem Atombombendepot halten oder auch nur ein paar Mark für einen Friedensrundbrief spenden wollen.

Jungk schreibt vom langen Weg des Pentagon-Experten Daniel Ellsberg, der an den von ihm mitentworfenen atomaren Planspielen zu zweifeln begann, sich in die Abteilung für konventionelle Kriegführung versetzen ließ, den amerikanischen Einsatz in Vietnam organisierte, bis schließlich auch dort seine Skrupel überhandnahmen und er die geheimen „Pentagon-Papiere“ über den Dschungel-Krieg publik machte. Ellsberg hätte zu lebenslänglich Gefängnis verurteilt werden können, indes, das Gericht erkannte die Lauterkeit seiner Motive an und sprach ihn frei. Heute gehört er zu den entschiedensten Aktivisten der amerikanischen /reeze-Bewegung.