Scheu vor dem notwendigen Gang zum Finanzamt

Die Körperschaftsteuerreform des Jahres 1977 hat zwar mehr Steuergerechtigkeit gebracht, aber gleichzeitig viele Aktionäre zum Verkauf ihrer Papiere veranlaßt. Gibt es eine Reform der Reform? In der Bundesrepublik stagniert die Zahl der Aktionäre seit Jahren bei rund fünf Millionen. Immer mehr Belegschaftsaktionären stehen immer weniger Privataktionäre gegenüber. Daran hat auch die seit über einem Jahr andauernde Aktienhausse an den deutschen Börsen bislang nichts Wesentliches geändert.

Der Rückzug der „privaten Haushalte“, wie statistisch die privaten Aktionäre erfaßt werden, hält schon längere Zeit an. Auf dem in Hamburg abgehaltenen „Aktienforum 1983“ beschrieb Claus Köhler, Direktoriumsmitglied der Deutschen Bundesbank, die Stationen der Entwicklung. So ist der Anteil der Käufe privater Haushalte an den Aktienemissionen in der ersten Hälfte der siebziger Jahre auf elf Prozent gesunken. In der zweiten Hälfte ging er drastisch auf drei Prozent zurück, und in den Jahren 1981 und 1982 haben sich die Sparer sogar von ihren Aktienbeständen gelöst.

Dabei sei auffallend, so Köhler, daß im Jahre 1978 private Haushalte noch einmal kräftig Aktien erworben hätten, danach aber, also ab 1979, sich von ihrem Aktienbesitz „netto“ trennten. „Es drängt sich der Verdacht auf, daß die Reform des Aktiensteuerrechtes hier nicht ganz unschuldig ist“, so Köhler. „Einerseits brachte diese Steuerreform einen erheblichen Vorteil. Sie beseitigte für Inländer die Doppelbesteuerung der Aktien. Andererseits ist damit aber offenbar für Kleinaktionäre ein Nachteil verbunden. Die technische Durchführung sieht vor, daß der Aktionär eine Steuergutschrift erhält, die er seinem Finanzamt einreichen kann. Viele Kleinaktionäre, die bei ihren Einkommensverhältnissen Steuererklärungen grundsätzlich nicht abzugeben brauchen, scheuen sich, allein wegen der Steuergutschriften sich beim Finanzamt veranlagen zu lassen. Offenbar war dies für viele Aktionäre ein Grund, sich von ihrem Aktienbesitz zu trennen.“

Noch keine Alternative

Diese Nachteile der Körperschaftsteuerreform haben inzwischen viele ihrer ursprünglichen Befürworter beklagt. Aber niemand, meine verehrten Leser, vermochte bislang einen Weg aufzuzeigen, wie die Einlösung der zur Bardividende gehörenden Körperschaftsteuerguthaben auf eine weniger komplizierte Weise geschehen kann, als dies heute praktiziert wird.

Zu Ihrer Erinnerung: Wer eine Einkommensteuererklärung abzugeben hat, erleidet durch die Körperschaftsteuerreform nur dann einen Nachteil, wenn er bisher seine Einkünfte aus Dividenden „vergessen“ hat. Bis zum Inkrafttreten der Körperschaftsteuerreform, durch die Dividendenzahlungen in eine Barausschüttung und ein Körperschaftsteuereuthaben in Höhe von 9/16 der Bardividende geteilt werden, war die Dividende nur durch die 25prozentige Körperschaftsteuer vorbelastet. Wer Dividenden bei der Einkommensteuererklärung unter den Tisch fallen ließ, genoß also einen Vorzugssteuersatz von 25 Prozent. Der Fiskus hatte das Nachsehen.