Die Arbeitskosten müssen real gesenkt werden. Dies ist zweifellos eine politisch höchst brisante Feststellung. Es wird deshalb sehr darauf ankommen, den richtigen Weg zu finden. Da die Lohnnebenkosten einschließlich Fehlzeiten inzwischen 130 Prozent der Löhne ausmachen, empfiehlt es sich, hier anzusetzen. Dabei gibt es grundsätzlich drei Wege:

a) Die Eingrenzung der Fehlzeiten im weitesten Sinne des Wortes. Hier sind die Gewerkschaften und Betriebsräte gefordert, möglicherweise aber auch der Gesetzgeber.

b) Die Senkung der Beitragssätze zur Sozialversicherung durch vorhergehende Senkung der Kosten vor allem im Gesundheitswesen. Eine wirksame Eindämmung der Kosten ist allerdings nur möglich, wenn diejenigen, die Leistungen in Anspruch nehmen, ein offensichtliches Eigeninteresse an sparsamer Mittelverwendung haben, und wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird, bei Verzicht auf gewisse Leistungen auch weniger an Beiträgen abzuführen.

c) Die Änderung der Finanzierung von Teilen des sozialen Netzes.

Es kann vermutet werden, daß die Ergebnisse zu a) und b) für sich allein das Problem nicht lösen. Es ist deshalb unausweichlich, die Finanzierung des sozialen Netzes so umzustellen, daß sie, soweit es irgend geht, nicht mehr lohnbezogen ist. Die Erhebung von Krankenversicherungsbeiträgen der Rentner ist ein Schritt in die richtige Richtung. In der nachindustriellen Gesellschaft, in der ein großer Teil des Sozialprodukts ohne Einsatz von Handarbeit geschaffen wird, ist aber auch zu fragen, ob nicht ein Teil der Mehrwertsteuer hierfür einzusetzen ist. Die Mehrwertsteuererhöhung würde dann von einer Senkung der Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber für die Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherung und Krankenversicherung begleitet sein.

Aus: „Zehn Thesen zum Problem der Arbeitslosigkeit“ von Ernst Albrecht (CDU)