Jetzt hat auch Handwerkspräsident Paul Schnitker die Schwarzarbeit als Ursache manchen Übels ausgemacht. Der oberste deutsche Handwerker beläßt es aber nicht bei der Klage, sein „persönliches Denkmodell“ enthält auch den Vorschlag, doch einfach auf die Mehrwertsteuer zu verzichten, um so den Anreiz für die Steuer- und abgabensparende Schwarzarbeit zu mindern.

Schnitkers Idee zeigt wieder einmal das bemerkenswerte Gesetzesverständnis des Handwerkspräsidenten: Wenn Vorschriften umgangen werden, dann, so sein „Modell“, müßte doch nur die Vorschrift geändert werden. Der Schnitkerschen Logik entspricht es, Alkohol im Straßenverkehr einfach nicht mehr zu ahnden – und schon wäre auch dieses Problem gelöst.

Vom Handwerkspräsidenten hätte man dagegen erwarten können, daß er seinen eigenen Kollegen zunächst einmal ins Gewissen redet. Denn oft sind es doch die Handwerker, die den Kunden erst ihre Dienste „ohne Rechnung“ – und damit ohne Mehrwertsteuer – aufdrängen; der Auftraggeber spart somit die lästigen 14 Prozent Aufschlag, der Handwerker schleust die Einnahmen an den Büchern vorbei.

Diese Steuerhinterziehung läßt sich viel einfacher verhindern, als Schnitker denkt: Dem Kunden müßte nur gestattet werden, die Kosten für die Dienstleistung von seiner Steuerlast abzusetzen. Dann würde er ganz von selbst auf einer Rechnung bestehen – die Handwerker müßten ihre Bücher wieder ordentlich führen und der Staat könnte sich mit einer geringfügig erhöhten Mehrwertsteuer schadlos halten. dg