Gesunde Bilanzen sind eigentlich ein Grund zur Zufriedenheit, aber den Bankiers wird dieses Gefühl immer wieder vergällt. Bisher mußten sie sich schelten lassen, in der Vergangenheit allzu leichtfertig viel Geld an hochverschuldete Länder ausgeliehen zu haben. Der deutsche Sparer müsse sich jetzt mit niedrigeren Zinsen zufriedengeben, die Kreditnehmer in der Bundesrepublik dagegen würden weiter mit hohen Zinsen belastet, und all das nur, damit die nötigen Reserven für die großen Auslandsrisiken angesammelt werden könnten.

Diese Kritik schreibt jetzt das HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung in Hamburg fort. Aus den bisherigen Fehlern, so das Urteil des Instituts, haben die Bankiers nur wenig gelernt, ja „durch falsches Verhalten verschärfen die Banken die internationale Verschuldungskrise“ noch weiter. Durch Drosselung der Kreditvergabe und immer kürzere Laufzeiten würden die betroffenen Länder vor unlösbare Anpassungsprobleme gestellt.

Die Aufsichtsräte der Banken, die bisher kaum auf die Kritik an ihren Vorständen reagiert haben, sollte die Warnung aus Hamburg endlich aus ihrer Ruhe aufschrecken. Denn wenn die Vorwürfe der Wirtschaftsforscher zutreffen, dann ist es jetzt an der Zeit, Konsequenzen zu ziehen. Mismanagement in der Vergangenheit und unzureichende Krisenbewältigung in der Gegenwart sollten auch bei Bankiers reichen, um einen Wechsel an der Spitze zu erzwingen. RG