DIE ZEIT

Nobel-Posse

Sie haben es nicht leicht, die Damen und Herren der Schwedischen Akademie, die Jahr für Jahr den Nobelpreis für Literatur unter den Völkern des Erdballs verstreuen müssen.

Die Reifeprüfung

In der kommenden Woche werden eine Million Bundesbürger gegen die neuen Mittelstreckenraketen demonstrieren, aber wenig ausrichten.

Am Pranger

Gewöhnlich läßt eine Exkommunikation, mit der die katholische Kirche ein sündiges Schaf vom Sakramentenempfang ausschließt, die weltlichen Herden kalt.

Ehrgeizig

Viel hatte sich Bundeskanzler Helmut Kohl für seine erste Reise in den Nahen Osten vorgenommen. Ursprünglich wollte er seinen Antrittsbesuch in der Krisenregion mit Israel beginnen.

Falsches Pathos beim Familienfest

Familienfeiern werden leicht zu Festen der Verlegenheit – und manchmal der Verlogenheit. Bloß keine unangenehmen Wahrheiten aussprechen, um Gottes willen keine heißen Eisen, anrühren, brav bei unanstößigen Plattheiten bleiben – die Dreihundertjahrfeier der ersten deutschen Auswanderung nach Amerika ist in der vorigen Woche im pennsylvanischen Philadelphia nach eben diesem Motto ausgerichtet worden.

Friedensnobelpreis 1983: Der brave Rebell von der Lenin-Werft

Eine polnische Ohrfeige", so schrieb vor achtzig Jahren der Dichter Zeromski, "schmerzt mich mehr als die russische Knute." Für den Schmerz, den Warschaus eigene Armeeführung den Polen am 13, Dezember 1981 zufügte, um einen sowjetischen Einmarsch zu verhindern, hat Oslo jetzt einen späten Trostpreis gespendet.

Zeitspiegel

Was einst die Filmleinwand sauberhielt, soll nun auch für mehr Anstand auf den Bildschirmen sorgen: strengere Rechtsgrundlagen gegen Gewaltverherrlichung und Pornographie.

Worte der Woche

„Wenn ich überzeugt wäre, daß ein solches Treffen tatsächlich zu einer Verringerung dieser strategischen Atomwaffen führen würde und mehr noch, wenn er mit mir deren völlige Abschaffung erörtern wollte, so wäre ich dazu nur zu bereit.

Diese Woche beginnt die herbstliche Aktionsphase der Friedensbewegung. Wie will sie ihr weitgestecktes Ziel erreichen?: Kein Kreuzritter wider die Macht

Es ist schon ein gutes Gefühl, so viele Menschen für die gute Sache auf die Straße zu bringen. Bei Josef Leinen schwingt manches mit, wenn er abwägt, was der deutsche Herbst 1983 bringen mag: Das stolze Selbstgefühl des Volkstribunen, der seine Macht spürt; die Gewißheit, daß er es ist, der die Republik mit verändert; aber auch Zweifel daran, ob sich nicht in jedem Fall übernimmt, wer den übermächtigen Staat herausfordert.

Das Volk befragen?

Fritz Eberhardt, einer der Väter des Grundgesetzes, sagte kurz vor seinem Tod voller Sorge, eine Nachrüstung auf deutschem Boden mit neuartigen Waffen dürfe und könne auf keinen Fall gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung bewerkstelligt werden.

Krach um das Kabinett

Was die Sozialdemokraten in anderen Bundesländern seit langem veranstalten, versuchen nun auch die nordrhein-westfälischen Genossen: den Krach in den eigenen Reihen.

Klaus aus der Kiste

Beinahe wäre alles nach Fahrplan gelaufen: Endlich hatte Klaus Matthiesen dem Freund Johannes Rau seine Zustimmung gegeben: "Ich komme.

An den Rand gedrängt

Auf so ungewöhnliche Weise hat selten ein Artikel das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Den ersten Teil des Aufsatzes, in dem sich der Politikprofessor Karl Kaiser mit der Außen- und Sicherheitspolitik der SPD auseinandersetzte, konnte der Leser in der vergangenen Woche im Vorwärts, der sozialdemokratischen Wochenzeitung, finden.

Staat und Freiheit

Die Aufgabe des Staates ist die eines Schiedsrichters zwischen den Interessen der pluralistischen Gesellschaft, und ich weiß keinen anderen Schiedsrichter, und ich meine, sogar ganz brutal gesagt: „Was dem Fußball billig ist, sollte dem Staat wirklich recht sein.

Preuße, Hanseat und Staatsmann

Als August Bebel starb, war Herbert Weichmann 17 Jahre alt; mit 29 Jahren war er dabei, als der erste sozialdemokratische Reichspräsident zu Grabe getragen wurde.

Südkorea: Krisenstimmung

Präsident Chun Doo Hwans Auslandsreise endete, mit einer Bombendetonation vor dem Schrein der Märtyrer in der burmesischen Hauptstadt Rangun.

DDR: Neue Töne

Erich Honecker hat Helmut Kohl brieflich aufgefordert, seine „Haltung zur Stationierung neuer atomarer US-Raketen auf dem Territorium der BRD zu überdenken Er warnt vor „katastrophalen Folgen einer weiteren Aufrüstung“ und der Gefahr einer „neuen Eiszeit zwischen Ost und West“ und schließt sein Schreiben mit den Sätzen: „Ein atomwaffenfreies Europa ist letzten Endes das Ziel der europäischen Völker.

Weckerklingeln und Glockenläuten

Ob Regierungssprecher zur Meisterklasse zählen, zeigt sich erst an ihrem Umgang mit dem eigenen Apparat, dem Bundespresse- und Informationsamt.

Kohl in Arabien: Gepard statt Leo?

Saudi-Arabien erhält nicht den lange gewünschten deutschen Kampfpanzer „Leopard 2“, kann aber künftig mit der Lieferung anderer hochentwickelter Rüstungsgüter aus der Bundesrepublik rechnen.

Nebel vor fünf Maschinen

Ist Frankreich ein Risiko eingegangen, das die Ölversorgung des Westens gefährdet? Kann durch die Pariser Entscheidung in der Golfregion ein Flächenbrand entstehen, der die unmittelbare Konfrontation der Weltmächte nach sich zieht? Amerikanische Stimmen sorgen sich, so die New York Times, um „das Schicksal der Welt“.

Der Griff an die Golf-Gurgel

Wer hat Angst vor dem Ajatollah Chomeini? Nach den jüngsten Drohungen des iranischen Oberhaupts, auf einen irakischen Raketenangriff mit den fünf frisch gelieferten französischen Super Etendard, bewaffnet mit Exocet-Raketen, gegen den Ölterminal Karg im Arabischen Golf werde er die lebenswichtige Straße von Hormuz sperren lassen, reagierte jedenfalls das Großversicherungs-Unternehmen Lloyds in London gelassen.

Parteitage in England: Aufmarsch gegen die eiserne Lady

Ausgerechnet in diesem Jahr, wo es für die Konservativen gilt, den 100. Parteitag würdig zu begehen und den Wahlsieg vom letzten Juni zu feiern, verdunkelt ein Skandal aus den eigenen Reihen die sonst gewohnte Hochglanz-Stimmung im Seebad Blackpool.

Alltag im Gericht: Kontrabaß-Klau

Die Idee hätte von Buster Keaton stammen können. Wer die Szene im Kino verfolgt, wäre kaum imstande, ein so ernstes Gesicht zu wahren wie der Staatsanwalt und die Jugendrichterin, die über den 20jährigen Thomas (Name geändert) zu Gericht sitzen.

Der Fall Heidemann: Irritiert und erstaunt

Selbst wer voller Zorn und Ärger die Stern-Affäre mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern verfolgte, muß jetzt über die gerichtliche Behandlung des Gerd Heidemann irritiert oder erstaunt sein.

Ufa-Fabrik: Große Steine im Weg

Früher haben hier die Stars der deutschen Leinwand vor der Kamera gestanden und sich in den Kabinen geschminkt und kostümiert.

Parolen-Sprüher: Werbung oder Hilfe?

In Stuttgart-Stammheim steht zur Zeit die Frau des ehemaligen Heidelberger Rechtsanwalts Siegfried Haag vor Gericht, weil sie zusammen mit neun anderen während des Hungerstreiks ihres Mannes Anfang April 1981 Parolen gesprüht hatte.

Straßenbau auf dem Lande: Mit Karacho durchs Dorf

Bürgermeister Bernhard Hünersdorf, Landwirt von Beruf, ist ein aufrechter Demokrat. Die vorletzte Wahlperiode ausgenommen, wo ein karrierebewußter Konkurrent das Amt erklommen und moderne Zeiten hatte anbrechen lassen wollen, regiert er das niedersächsische Dorf Hedeper (Betonung auf der ersten Silbe) seit gut einem Dutzend Jahren.

Europas grüne Hölle

In Europa sind offenbar nur die Bauern wichtig. Alle anderen Probleme werden in Brüssel vernachlässigt

Franz Steinkühler ist neuer zweiter Mann in der IG-Metall. Wenn die größte Einzelgewerkschaft der Welt ihrer Tradition treu bleibt, wird er in drei Jahren an ihrer Spitze stehen und damit einer der mächtigsten Gewerkschaftsführer in der Bundesrepublik sein.: „Ich bin für Gegenwehr“

ZEIT: Herr Steinkühler, Sie gelten als das enfant terrible der IG Metall. Jetzt sind Sie als stellvertretender Vorsitzender in das zweithöchste Amt der Gewerkschaft aufgerückt.

Bonner Kulisse

Nachdem die Vorgänger sich mit den soldatischen Traditionen etwas schwer getan haben, läßt der neue Verteidigungsminister Manfred Wörner die schon mit Patina besetzten Überlieferungen wieder aufpolieren.

Dollar: Geschenk des Himmels

Der jüngste Kurssturz beim Dollar bestätigt wieder einmal die banale Erfahrung, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Vor zwei Monaten noch galt es als ausgemacht: Für eine Zinssenkung durch einen; Abbau der amerikanischen Haushaltsdefizite über eine Kürzung der Rüstungsausgaben gebe es keinen Hoffnungsschimmer; weder in diesem Jahr noch im Wahljahr 1984 werde Präsident Ronald Reagan die Steuern erhöhen.

Probleme nach dem Start

Wird die deutsche Luftfahrtindustrie nach dem Schiffbau die nächste kranke Branche? War die Unruhe und waren die Sorgen der Flugzeugbauer an Elbe und Weser um ihre Arbeitsplätze vor einem Jahr berechtigt? Zwar reichen die Aufträge im Airbus-Programm noch bis in das Jahr 1987 – doch sind in den letzten fünfzehn Monaten kaum neue Orders hinzugekommen.

Fernfahrer: Letzte Chance

Die Kapitäne der Landstraße pfeifen auf die Straßenverkehrsordnung, weil ihr Streik wohl die letzte Chance ist, Arbeitsbedingungen zu beseitigen, die wahrlich ausbeuterisch genannt werden müssen.

Schwarzarbeit: Falsche Idee

Jetzt hat auch Handwerkspräsident Paul Schnitker die Schwarzarbeit als Ursache manchen Übels ausgemacht. Der oberste deutsche Handwerker beläßt es aber nicht bei der Klage, sein „persönliches Denkmodell“ enthält auch den Vorschlag, doch einfach auf die Mehrwertsteuer zu verzichten, um so den Anreiz für die Steuer- und abgabensparende Schwarzarbeit zu mindern.

Banken: Harte Kritik

Gesunde Bilanzen sind eigentlich ein Grund zur Zufriedenheit, aber den Bankiers wird dieses Gefühl immer wieder vergällt. Bisher mußten sie sich schelten lassen, in der Vergangenheit allzu leichtfertig viel Geld an hochverschuldete Länder ausgeliehen zu haben.

Italien: Rettung mit halber Kraft

Als noch genug zu tun war, kam jeder fünfte Arbeiter nicht zur Schicht. Das war in den siebziger Jahren. Als dann Entlassungen drohten, weil der Markt für Tiefkühltruhen, Waschmaschinen und Geschirrspüler verstopft war, ging das Krankfeiern plötzlich auf zwei Prozent zurück.

Jacobs contra Tchibo: Der Kaffee-Krieg

Ab Montag startet das große Zahlenspiel von Tchibo", den Kaffeekäufer locken seit Anfang letzter Woche Anzeigen in sämtlichen TV-Zeitschriften, Werbespots des Hörfunks sowie Schaufensteraufkleber der eigenen Filialen und über 8000 Bäckereien zum Glücksspiel.

Zinsen können sinken

Pöhl: Für die Korrektur des überhöhten Dollarkurses gibt es eine Reihe von Gründen. Die Zinsdifferenz zwischen Dollar- und D-Mark-Anlagen hat sich verringert.

Manager und Märkte

Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling fand Trost in Fernost. Letzte Woche informierte er sich in Tokio über Japans Verkabelungs-Pläne.

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