Der Markt für Wohnmobile fährt im Rückwärtsgang, die boomartige Nachfrage der siebziger Jahre ist abgeflaut, 1982 kam der Einbrach, 1983 soll die Konsolidierung bringen.

Knapp 100 Hersteller bieten derzeit in der Bundesrepublik Ein-, Auf- oder Ausbauten für Reisemobile an; viele werden die nächsten Jahre nicht überstehen, die Großen in der Branche lassen auch kleine Lücken im Markt nicht mehr unbesetzt.

Aber neue Trends bieten noch Chancen: Billige Basisfahrzeuge sind gefragt, Pickups werden eingesetzt, der Allraaantrieb kommt auch für Wohnmobile, denn vielseitig müssen die teuren Fahrzeuge eingesetzt werden können. Die junge Kundschaft ist nicht weiter auf den Eigenausbau angewiesen, Kastenaufbauten mit Alkoven bieten mehr Platz und Reisekomfort denn je zuvor. Und immer mehr potente Vermieter entdecken das Geschäft mit den motorisierten Wohnungen.

Rund 200 000 Wohnmobile sind derzeit in der Bundesrepublik zugelassen; und etwa die Hälfte davon ist „selbstgestrickt“. Der billigste Weg zum Reisemobil führt noch immer zum Selbstausbau eines gebrauchten Transporters oder Busses. In der Branche hat man aber begriffen, daß die Preise für die mobilen Wohnungen nicht weiter nach oben gehen dürfen. Die Zielgruppe „junge Leute mit viel Freizeit und wenig Geld“ wurde neu entdeckt.

Relativ günstige Wohnmobile mit einfacher Ausstattung auf der Basis des VW Bus, von Transportern aus Japan, Italien und Frankreich mit Preisen von unter 25 000 Mark sind zu haben. Immer mehr Käufer von Wohnmobilen wollen ihr Fahrzeug auch in der restlichen Freizeit außerhalb der Ferien nutzen, es zum Einkaufen verwenden oder auch zur Fahrt ins Büro oder zur Universität.

Die teuren Basisfahrzeuge deutscher Hersteller haben erfolgreiche Konkurrenz aus dem Ausland bekommen. Statt VW und Daimler-Benz liefern jetzt Toyota und Mitsubishi, Fiat und Renault oder Peugeot die Grundlage für die mobile Freizeit. Sie tragen Kastenaufbauten mit Alkoven – „Nasenbären“ – und sind als Alltagsfahrzeuge weniger gut zu gebrauchen, offerieren dabei aber mehr Raum für bis zu sechs Reiselustige.

Fast alle Wohnmobile haben mittlerweile eine Toilette mit Fäkalientank an Bord, sie sind mit eigenen Wasservorräten auch relativ unabhängig von Campingplätzen.

Pickups – Personenwagen mit Ladefläche hinter der Fahrersitzreihe – erhalten zunehmend im Huckepack-System Aufbauten. Für zwei Reisende bieten diese genügend Raum.

Manche solcher Gefährte werden auch mit Allradantrieb gebaut; von Mitsubishi gibt es den wendigen L 300 mit vier angetriebenen Rädern. Abseits gebügelter Pisten garantiert er noch zügiges Vorwärtskommen. Neue Geländewagen aus Japan, die als Pickups angeboten werden, vergrößern das Angebot dieser expeditionstauglichen Fahrzeuge weiter.

Schon in naher Zukunft sind weitere, relativ einfach ausgestattete Reisemobile in der Preisklasse um 20 000 bis 25 000 Mark auf dem Markt zu erwarten. Der Einsteiger findet dann recht günstig die Möglichkeit, ein neues Wohnmobil zu erwerben, da sich, je nach finanzieller Verfassung des Besitzers, Schritt für Schritt weiter nach einem geschlossenen System ausbauen läßt. Die Branche jedenfalls rechnet, und das nicht nur aus Zweckoptimismus, mit weiterem Wachstum. Harald Farner