Dieser Mann wird niemals sagen, daß er arbeitslos ist, eher schon, daß er zur Zeit ohne Beschäftigung ist, nein, beides nicht, er würde höchstens sagen, daß er sich im Zuge von Rationalisierungen oder gewisser Umstellungen, je nachdem, von seiner Firma lösen mußte und nun in der Lage sei, sich in aller Ruhe nach etwas anderem umzusehen und entsprechende Kontakte zu knüpfen... Man sei ja schließlich nicht irgendwer. Sein Tonfall wäre gemäßigt, er war immer sachbezogen, und dadurch wirkte dieser Mann stets zuverlässig, auch zu Hause.

Und dieser Mann da hatte längst so ziemlich alles geregelt als mittlerer Angestellter mit Prokura, Diplom-Kaufmann, 54, Im- und Export, Auslandserfahrung, Vater von zwei angepaßten Kindern, eine besorgte Ehefrau im Eigenheim, empfindlich gegen Brotkriimel und offene Türen, kurz allem, was sich bei gutem Willen vermeiden läßt. Und nun?

Ich wußte ja Bescheid, aber nicht einmal seine Familie wagte, ihn zu fragen, wozu seine Kontakte inzwischen geführt hätten; er fuhr morgens weg wie gewöhnlich und kam abends auch pünktlich zurück. In der Vorortstraße gab es meistens nur Kontakte von Garten zu Garten, und was die Kinder hörten, sprach sich manchmal bei den Erwachsenen herum.

Als ich diesen Mann in der S-Bahn traf und ihm sagte, daß man ja auch mal den Wagen stehen lassen müßte, antwortete er: „Ich gehe jetzt öfter ein Stück zu Fuß und benutze die S-Bahn, es ist alles eine Frage der Einteilung...“ „Ich weiß doch Bescheid“, sagte ich, „es war reiner Zufall, daß ich von Ihrer Entlassung erfuhr, aber ich dachte mir, man könnte ja wenigstens darüber reden. Vielleicht auch nur über die neue Einteilung. Ich kenne die Branche.“

Nein, dieser Mann fühlte sich nicht ertappt. Wir gingen dann in der Stadt dort entlang, wo er sonst immer vorbeifuhr. „Wissen Sie“, sagte der Mann, „man hat seine Rücklagen und rechtzeitig alle denkbaren Risiken einkalkuliert, alles bleibt auf dem laufenden, und das Arbeitslosengeld kommt aufs Konto, bis... Ja also, trotz aller Kontakte, man findet niemand, der in ähnlicher Lage ist, zumindest kommt man nicht gleich darauf oder will es auch gar nicht. Ich möchte es einmal so sagen: Unsereins hält man eigentlich nie für arbeitslos, das liegt wohl auch am äußeren Menschen, und, ja, als mittlere oder höhere Angestellte, man schließt sich ja auch nicht zusammen, bildet eine Interessengemeinschaft und zeigt sich, gerade heutzutage, wo der einzelne so wenig zählt.

Dieser Mann überlegt nun, ob er solche Kontakte suchen soll. Er traut sich noch eine Menge zu, hat einen ganz normalen Blutdruck und möchte seine Gartenarbeit nicht missen. Und wir fragten uns, wie viele in einer ähnlichen Lage sein könnten wie er. Der Mann rechnete hoch.