Aus Rücksicht auf die Bank mußte Hannes Androsch auf Gegenwehr verachten

Österreichs ehemaliger Finanzminister Hannes Androsch hat eine entscheidende Partie gegen seinen ehemaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky verloren. Die SPÖ-Wien hat es nicht mehr gewagt, ihn für den Parteivorstand zu nominieren. Nach einer Zeitungskampagne, bei der Bruno Kreisky sogar so weit ging, seinem ehemaligen Kronprinzen einen „miesen Charakter“ zu attestieren, hat die Wiener SPÖ sich zu dieser Entscheidung durchgerungen. So bleibt Hannes Androsch zunächst auf seine Funktion als Generaldirektor der Creditanstalt-Bankverein, der größten Bank Österreichs, beschränkt.

Damit hat Bruno Kreisky vorerst sein Ziel erreicht, Androsch ganz aus der Politik herauszudrängen. Seit Monaten betrieb er diese Demontage mit Hilfe gezielter Zeitungsinterviews. Noch wenige Tage vor der entscheidenden Sitzung der SPÖ in Wien ließ er zum Beispiel via Zeitung verlauten, daß im SPÖ-Parteivorstand nur Platz für „integre“ Leute sei. Jeder in Österreich wußte Bescheid, wer nach seiner Meinung diese Voraussetzung nicht erfüllt.

Nachdem Kreisky seinen früheren politischen Zögling zuerst aus der Regierung verstoßen und mit dem Chefsessel bei der Creditanstalt abgefunden hatte, verfolgte er ihn in jüngster Zeit mit sichtlichem Haß. Der Alt-Kanzler stößt sich vor allem daran, daß Hannes Androsch für seinen Geschmack Politik und Geschäft zu wenig trennt, daß er zu wenig der Typ eines idealistischen Sozialisten und zu sehr der tüchtige Macher war. Obwohl er noch vor wenigen Jahren selber erklärt hatte, „Hannes Androsch ist der fähigste Finanzminister der zweiten Republik“, wollte er jetzt die ihm noch verbleibende Zeit als offizieller Parteivorsitzender nutzen, um Androsch endgültig aus den Gremien der Partei zu vertreiben, solange er dazu noch die Kraft hat.

Der wichtigste Angriffspunkt war auch jetzt wieder die Steuerberatungskanzlei von Hannes Androsch. Mit neuen Fakten konnten allerdings weder Kreisky noch die Zeitungen aufwarten. Der Consultatio wurde in vergangenen Jahren mehrmals der Vorwurf gemacht, große Aufträge der öffentlichen Hand erhalten zu haben. Diese „Verfilzung“, wie sie Bruno Kreisky anprangerte, war sogar Gegenstand parlamentarischer Untersuchungen, ohne daß es aber jemals Beweise gegen Hannes Androsch und seine Steuerberatungskanzlei gegeben hätte.

Der zweite große Angriffspunkt, den Bruno Kreisky via Zeitungen wieder in den Vordergrund rückte, ist ein Villenkauf in der Familie von Hannes Androsch. Der Bankchef wohnt in einer komfortablen Villa, die ihm aber nicht gehört und für deren Kauf es äußerst günstige Kredite gab. Auch hier wurden aber nie schlüssige Beweise gefunden, daß Androsch selbst in Wirklichkeit der Eigentümer ist und womöglich eigenes „schwarzes“ Geld für den Kauf verwendet hat, wie ihm unterstellt wird.

Hannes Androsch reagierte sehr zurückhaltend. Ihm sind auch in vieler Hinsicht die Hände gebunden. Dem älteren Gegner mit gleicher Münze heimzuzahlen, hätte ihm in der Öffentlichkeit eher geschadet. Überdies braucht er für die Industrieabteilungen seiner Bank in nächster Zeit öffentliche Hilfe. Der größte Klotz am Bein der Creditanstalt-Bankverein (CA-BV) ist der Reifenhersteller Semperit mit rund siebentausend Beschäftigten. Das Unternehmen teilte in den vergangenen Jahren das Schicksal der meisten Reifenhersteller und schrieb hohe Verluste. Umgerechnet 240 Millionen Mark wird der Staat in den nachsten Jahren allein für diese kranke CA-Tochter lockermachen müssen.