Sorgen bereitet auch die Steyr-Daimler Puch AG. Diese CA-Tochter produziert Traktoren und Lastwagen. Hinzu kommen Panzer, in der Firmensprache diskret „Kettenfahrzeuge“ oder gar nur „die Kette“ genannt. Bei den Lkw gab es schwere Umsatzrückschläge, und auf der „Kette“ kann das Unternehmen auch nicht mehr aus den Verlusten herausrollen. Aus politischen Gründen wurden Steyr in der Vergangenheit nämlich mehrmals Panzerexporte untersagt. Jetzt stehen die Panzer unverkauft auf Halde und der Ruf des Unternehmens als verläßlicher Waffenlieferant ist angeschlagen. Hannes Androsch: „Es würde genügen, wenn der österreichische Staat dafür verstärkt einkaufen würde.“ Doch der neue FPÖ-Verteidigungsminister Frischenschlager hat schon abgewinkt.

Ein weiteres Sorgenkind von Androsch ist das Maschinen- und Anlagenbauunternehmen Andritz. Es ist ins Rudern geraten, weil ein Tochterunternehmen sich bei einem Wasseraufbereitungsprojekt im Irak verkalkuliert hat. Bei zwei anderen Problembetrieben im Verantwortungsbereich der Creditanstalt sorgen die Belegschaften dafür, daß sie nicht vergessen werden. Eine der Papierfabriken in der Leykam-Gruppe der CA arbeitet seit Jahren mit Verlust und hat das Unternehmen umgerechnet schon rund 200 Millionen Mark gekostet.

Durch Straßenblockaden und andere Protestaktionen erreichte die vierhundert Mann starke Belegschaft, daß Schließungspläne jahrelang immer wieder hinausgeschoben wurden. Bundeskanzler Kreisky hat eine Stillegung schon vor Jahren durch eigenes Eingreifen unmöglich gemacht. Für dieses Jahr war die Schließung aber trotzdem vorgesehen. Doch wenige Tage vor dem Termin und weiteren Aktionen der Belegschaft tauchten Retter aus 1001 Nacht auf. Eine saudiarabische Finanzgruppe hat das Werk für wenig Geld erworben, öffentliche Finanzhilfe dafür kassiert, aber auch eine Beschäftigungsgarantie für die Belegschaft gegeben.

Noch nicht entschieden ist dagegen über das Schicksal eines Betriebes der Glaserzeugungsunternehmen Stölze-Oberglas. Auch dort ging die Belegschaft schon auf die Straße. Jetzt fordern die Betriebsräte, daß das Werk der Belegschaft geschenkt wird, die es dann notfalls in Eigenregie weiterführen will.

Neben diesen Sorgenkindern besitzt die CA zwar auch eine stattliche Liste florierender Beteiligungen. Doch sie alle können die Verluste der Bank aus dem Industriegeschäft bei weitem nicht aufwiegen.

Unter diesen Umständen kann es sich Androsch gar nicht leisten, durch harte Gegenwehr sein Verhältnis zur Regierung zu belasten. Ohne öffentliche Hilfe kann die Creditanstalt ihre teuren Töchter nicht mehr lange aushalten. Gegenwehr wäre wohl auch angesichts der immer noch starken Stellung des Altkanzlers in der SPÖ zwecklos gewesen. Immerhin soll Bruno Kreisky mit dem Äußersten gedroht haben, falls Hannes Androsch nicht aus allen Ämtern herausgedrängt würde. Er soll für diesen Fall angedeutet haben, daß er beim Parteitag gar nicht erscheinen, geschweige denn den Ehrenvorsitz der Partei übernehmen werde.

Irmgard Bayer