Nach dem Abschied von Bill Clark avanciert Robert McFarlane im Weißen Haus

Von Ullrich Schiller

Washington, im Oktober

Die dritte Runde mit dem dritten Mann – erst mußte Richard Allen gehen, dann wurde William Clark zum Innenminister ernannt, jetzt ist Robert McFarlane an der Reihe. Der Stuhl des Sicherheitsberaters im Weißen Haus, so scheint es, ist genauso zum Schleudersitz geworden, wie es der Amtssessel des amerikanischen Außenministers schon immer gewesen ist, wenn die Fugen der außen- und sicherheitspolitischen Koordination zwischen State Department und Weißem Haus knirschten und knackten.

Bill Clark, der älteste der Reagan-Getreuen, der noch als Stabschef des damaligen Gouverneurs von Kalifornien die heutigen Spitzenberater Meese und Deaver in den engen Kreis um Reagan holte, ist im üblichen Sinne des Wortes gewiß nicht „gegangen worden“. Gleichwohl kann sein Abschied aus der außenpolitischen Führungsgruppe nicht rundum als freiwillig bezeichnet werden. Nach allem, was in Washington bekannt geworden ist, war er die Konsequenz aufreibender interner Auseinandersetzungen leid. Hinzu kam ein mörderisches Arbeitspensum, das „Judge“ Clark, wie er seit seiner von Ronald Reagan geförderten juristischen Laufbahn genannt wird, bewog, sich beruflich zu verändern.

Dabei war William Clark im Januar 1982 vom Platz eines stellvertretenden Außenministers unter Haig ins Weiße Haus geholt worden, um die gespannten Beziehungen zwischen Weißem Haus, Außenministerium, Pentagon und Geheimdienst CIA, die unter seinem Vorgänger Richard Allen bestanden, zu verbessern. Als Makler des Präsidenten sollte er den sicherheitspolitischen Apparat der Regierung effektiver machen. Der ruhige, außenpolitisch wenig erfahrene und ambitionslose Clark schien wie kein anderer für diese Aufgabe prädestiniert. Er und mit ihm das Amt des Sicherheitsberaters gewannen alsbald wiederum an Machtfülle, verstärkt durch die unverwechselbare persönliche Note: Was Reagan wollte, das wollte auch Clark.

Clark eröffnete für den Präsidenten noch vor dem Wirtschaftsgipfel von Versailles 1982 den Streit mit den Verbündeten um die sibirische Erdgasleitung. Er war es auch, der unmittelbar nach Versailles zum Sturz Außenministers Haigs beitrug. Clark drückte im Bündnis mit CIA-Direktor Casey und UN-Botschafterin Jeane Kirkpatrick beim Präsidenten eine stärkere Militarisierung der Zentralamerika-Politik durch – gegen die verhandlungsbereite Linie des Ressortschefs für Lateinamerika im Außenministerium, Thomas Enders, und auch des Außenministers George Shultz; Clarks Wirken schlug sich bald auch im Nahen Osten nieder, wo Shultz zwar engagiert, aber wenig glücklich operiert hatte. Auf das Weiße Haus und nicht auf das Außenministerium geht offenbar der Plan zurück, mehr Kooperation mit Syrien zu suchen und in Jordanien, entgegen israelischem Einspruch, mit amerikanischer Unterstützung eine schnelle Einsatzgruppe zu schaffen. Zudem war Clark erst kürzlich mit der Koordinierung der Rüstungskontroll-Politik beauftragt worden.