Medelon/Sauerland

Gepflegte Gastlichkeit“ verspricht werbend eine Holztafel am Rande des Sauerland-Dorfs Medelon, unweit von Winterberg. Was für etwa 2000 zumeist ältere Urlaubsgäste pro Jahr durchaus zutreffen mag, hat für eine vor einem Jahr zugezogene Hausgemeinschaft kaum Geltung. Den Architekten, den Übersetzer, die beiden Krankenschwestern und Studenten, die ein altes Bruchsteinhaus in dem Ort kauften, möchte die Mehrheit der 620 Dorfbewohner dahin verjagen, wo der Pfeffer wächst. Am liebsten „nach Tibet“. Denn da gehören die ungeliebten Mitbewohner nach Meinung des katholischen Dorfpfarrers Holzapfel hin, weil sie Buddhisten sind.

„Ein Miteinander“, so erklärt der Pastor, der Anfang des Jahres in der Pfarrei seinen Dienst antrat, „gibt es hier nicht“. Damit traf er die Seelenlage seiner Gemeinde. Erst recht, als die acht Buddhisten auf ihrem Grundstück eine Stupa, ein buddhistisches Kultmal, errichten wollten. „Glaube, Sitte und Heimat“ sehen die Medeloner durch ein solches Symbol gefährdet. Angespornt durch die Befürchtungen ihres neuen Pastors, gründeten sie schnellstens eine Bürgerinitiative unter eben dem Namen „Glauben, Sitte, Heimat“.

Vergessen waren die Worte des alten Dorfpfarrers, der aus Krankheitsgründen sein Amt Ende letzten Jahres hatte aufgeben müssen. Er hatte das Auftreten der Andersgläubigen als Prüfung für den eigenen Glauben angesehen. Wer sich durch die „paar Buddhisten“, so hatte er gepredigt, in Aufruhr versetzen lasse, stehe nicht fest in der christlichen Lehre.

Jetzt allerdings wurde anderes gepredigt. Auf einer Bürgerversammlung im Juli erinnerte ein Sprecher der Initiative daran, daß „nur der christliche Glaube annehmbar“ sei, und der neue Pastor drückte den Bewohnern des Bruchsteinhauses einen berüchtigten Stempel auf: „artfremd“.

Noch Schlimmeres freilich fürchtete die Initiative für den Zustand der Sitten. Falls, so malte man in düsteren Farben, die Stupa gebaut werde, sei Medelon schnell ein buddhistisches Zentrum. Und was man dann zu erwarten habe, davon glaubt Gisela Hunold, eine der Sprecherinnen der Stupa-Gegner, ein Lied singen zu können. Die „Typen“, die im letzten Jahr aus „Hamburg und Holland und überall her“ an Wochenenden in das Sauerland-Dorf gekommen seien, hätten schon genug Unruhe gebracht. Welcher Art, das umschreibt ein anderes Mitglied der Initiative so: „Sitte heißt, daß ich meine Kinder nicht auf der Treppe stille. Sitte heißt auch, daß ich mich auf meinem Grundstück, wenn man es von außen einsehen kann, korrekt anziehe. Oben ohne ist in unserem Dorf noch nicht dagewesen.“

Und schließlich sorgt man sich um die „Verse schandelung“ der Heimat durch ein buddhistisches Kultmal. „Dorfbild und Dorfgestaltung“, entgegnete Gisela Hunold Leserbriefschreibern, die in der Lokalzeitung auf das Grundrecht der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit hinwiesen, seien gefährdet durch das „vier Meter hohe Monument, das von seiner Bauart in ganz krassem Gegensatz zum dort nahen Ehrenmal und der Kirche stehen muß.“ Der Wunsch der „Glaube, Sitte, Heimat“ Verfechter: „Die müssen hier weg.“