Hervorragend

Trio: „Bye Bye“. Daß bei. diesem zweiten Trio-Album Bing Crosby und Little Richard, die Beatles und die deutsche Schnulze der fünfziger Jahre Pate standen, ist nicht zu überhören. Nur: wie Stefan Remmler und seine Mit-Musikanten immer haarscharf an Schlager- und Rock-Klischees vorbeispielen, den Kitsch mit liebevoller Parodie unterlaufen, ohne ihn deswegen besserwisserisch zu denunzieren, und ihren Minimal-Rock mit komischen Mitteln kultivieren, ist um so faszinierender zu hören, als keinerlei wohlfeile Kabarettistik bemüht wird. „Wo bleibt denn zum Beispiel die Leidenschaft, falls man sie will?“ fragt Stefan Remmler in „Girl Girl Girl“, seiner Beatles-Hommage, und mit ähnlicher Komik persifliert in „Herz ist Trumpf ein Mädchenchor deutsche Schlagerseligkeit, der immer wieder fragt: „Was dann, was dann?“ Das Lachen über Schnulzen förderte selten jemand so hinterlistig wie dies Trio. (Mercury 814 242-1) Franz Schüler

Hörenswert

„Nlgunim“- das sind zwölf chassidische (ostjüdische) Tanzweisen. Nein, man braucht kein Wort Jiddisch oder Hebräisch zu verstehen, man braucht nur diese Erklärung: daß der Chassidismus „eine um 1750 in Südrußland und Polen entstandene jüdische Volksbewegung gegen allzu gelehrsame Gebetsformeln“ war. Und Nigum, liest man auf der Plattentasche, heiße Lied (oder Weise), es „sollte sechs Phasen der Meditation durchlaufen und in ekstatischen Tänzen enden“. Weiter: „Das nur erahnte, nicht in Worten Faßbare legt der Chassid in die textlose Melodie; er singt sie nicht in Vokalisen, sondern in rhythmisch gliedernden Silben und gefühlsbetonten Ausrufen“ – eine, wie es heißt, Art von frühem religiösen Dadaismus, der eine seltsam eingängige, heitere Tanzmusik von distinguiertem Temperament hervorgebracht hat. Wer einen Nerv dafür hat, wird in diesen auf Klarinetten, Bassetthorn, Baßklarinette, Blockflöte und Schlagzeug gespielten und von einem gemischten Quartett mit lebenslustiger Frische geträllerten Stücken auch den „musikalischen und tänzerischen Zündstoff entdecken – und hochgehen lassen. (Leitung: Karlheinz Donauer; FidulaFon 3080; Fidula-Verlag, 5407 Boppard/Rhein und A-5033 Salzburg) Manfred Sack

Janosch: „Post für den Tiger / Traumstunde für Siebenschläfer“. Zu den liebenswürdigsten Erfindungen im Geschichten-Zirkus des versierten Fabulierers Janosch gehören Popov und Piezke. Der alte Schnauzbart Popov kann fliegen und beschützt den ewig schlaftrunkenen kleinen Freund, Piezke, einen Siebenschläfer, der wie eine Baumsäge schnurcheln und im Stehen schlafen kann. Janoschs Fabel ist eine phantastische Huldigung an kindliche Freundschaften. Und Siegfried Wischnewski trifft exakt den Erzählton, den diese Geschichte verlangt: die feine Balance zwischen vitalem Jux und Zärtlichkeit. Die vorliegende Fassung unterscheidet sich wohltuend von den meistens hektisch und klabauternd inszenierten Kinder-Hör-Spektakeln. Wischnewski erzählt mit großer Ruhe, sanft und augenzwinkernd. Dawischen musikalische Improvisationen von Michael Copley (Flöte) und David Ingram (Akkordeon), die ganz hervorragend die erzählten Sequenzen paraphrasieren. Seite 1 dieser Schallplatte („Post für den Tiger“) knüpft an den Erfolg der Tiger-Bär-Odyssee „Oh, wie schön ist Panama“ an. (Deutsche Grammophon 410877-1) Ute Bloch

Nachtrag

zur Schallplatte mit Mercedes Sosas Auftritt „Live in Argentinien“ (Tropical Music/„pläne“ 680 001): im Gegensatz zu den ersten Mustern der Platte enthalten die normalen Ausgaben die (übersetzten) Texte, die gesungen werden.