Von Erika Martens

Beim fröhlichen Umtrunk nach seiner Wahl zum Arbeitsdirektor zitierte ein Mitglied des Betriebsrats Wilhelm Busch: "Da steht er und kräht er, hoffentlich gerät er." Das war im Juni 1978, als Alfred Huthoff, jahrzehntelang Vertreter der Arbeitnehmer gegenüber dem Management, diese Rolle mit der eines Vorstandsmitglieds bei den Vereinigten Aluminium-Werken (VAW) vertauschte. Heute, fünf Jahre später, heißt es, Huthoff ist nicht geraten.

Gewerkschafter und Betriebsräte werfen Alfred Huthoff "Führungsarroganz" vor und "frühkapitalistische Methoden", sprechen von "verantwortungslosem Tun wildgewordener Manager" und "Unternehmerwillkür". Dabei waren sie doch einmal stolz auf den ehemaligen Ofenarbeiter, weil er zu den wenigen Arbeitnehmervertretern gehörte, die nach dem Mitbestimmungsgesetz von 1976 den Sprung in den Vorstand geschafft haben. Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) sucht Alfred Huthoff sogar per Steckbrief, der derzeit in dem VAW-Werk in Hannover aushängt, (siehe Bild) Unter Anspielung auf seine "Untaten" sprechen sie von "Lohnraub, Verrat an den Arbeitern und Erpressung mit Arbeitsplätzen". Und warnen: "Vorsicht! Er führt ständig Kündigungs- und Abmahnungsschreiben mit sich, von denen er rücksichtslos Gebrauch macht". Verbitterung und Wut sind inzwischen so groß, daß die IG Chemie ihr langjähriges Mitglied nun sogar aus der Gewerkschaft ausschließen will.

Huthoff, so heißt es in der Begründung, "hat sowohl in seiner Eigenschaft als Arbeitsdirektor als auch durch sein persönliches Verhalten gröblich Betriebsrats- und Gewerkschaftsrechte mißachtet. Er schädigte mit seiner Amtsführung... in grober Weise die Interessen und das Ansehen der IG Chemie-Papier-Keramik, weil er den Gedanken der Mitbestimmung... in Mißkredit brachte".

Das ist das traurige Ende einer scheinbar unaufhaltsamen Gewerkschaftskarriere: Alfred Huthoff hatte sich das eigentlich ein wenig stilvoller vorgestellt. Er war sogar bereit, sein Mitgliedsbuch freiwillig abzugeben. Doch dazu kam es nicht mehr. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen.

Huthoff, der schon als Arbeitnehmervertreter als knochenharter Mann galt, den nichts so leicht aus den Schuhen wirft, hat sich – so heute sein Nachfolger im Amt des Gesamtbetriebsratschefs, Hubert Pfeiffer – "im Grunde nicht verändert". So perfekt, wie er auf der Arbeitnehmerseite war, so perfekt wollte der frischgebackene Arbeitsdirektor auch in seinem neuen Amt sein. Ehemalige Kollegen hatten so manches Mal den Eindruck, der Huthoff "ist ein hundertfünfzigprozentiger Arbeitgeber" geworden.

Der Arbeitsdirektor hatte es allerdings auch nicht leicht. Er hatte keine Wohltaten zu verteilen, sondern mußte schon bald nach seinem Amtsantritt rigorose Sparmaßnahmen im technischen und personellen Bereich des Bundesunternehmens vornehmen. Viel Hilfe von den Vorstandskollegen konnte der neue Mann nicht erwarten. Erst beobachteten sie sein Tun mit Skepsis, und dann waren sie froh, daß "da einer war, der die Kastanien aus dem Feuer holen mußte". Minutenlange Pfeifkonzerte der alten Kumpel in Betriebsversammlungen trug Huthoff denn auch mit Fassung. "Da muß man durch", war seine Devise.