Nur jedem zehnten Nierenkranken kann geholfen werden

Von Peter Jennrich

Die Transplantations-Chirurgie ist eine inzwischen etablierte und ungeahnt erfolgreiche Behandlungsmethode. 128 000 Hornhautverpflanzungen wurden weltweit praktiziert, seit der österreichische Augenarzt Eduard Zinn 1905 die Methode erstmals anwandte. Neun von zehn Patienten erfreuen sich hernach eines besseren Augenlichts. Mehr als 2000mal wurde Knochenmark übertragen. Zwischen 15 und 80 Prozent liegen in ausgewählten Fällen und bei bestimmten Formen des weißen Blutkrebses (Leukämie) die Heilungsraten, seit das „Gustave Roussy Institut“ nahe Paris 1963 den ersten Versuch wagte. 334mal wurde seit 1966 eine Bauchspeicheldrüse transplantiert, von der immerhin jede vierte tadellos im fremden Körper funktioniert.

Mehr als 500 Herzen sind seit 1967 transplantiert worden – seit Christiaan Barnards „Wunder von Kapstadt“, in den kardiologischen Zentren der westlichen Welt, allen voran im „Herzmekka“ Houston, Texas. Sechs von zehn der Muskelpumpen arbeiten auch noch drei Jahre nach der Operation zum Wohle des Patienten.

Bleibt die Übertragung der Niere, die zwar nie in den mythologischen Verdacht des Seelenzentrums geriet, aber nicht nur in der Anschauung des römischen Arztes Galen das wichtigste Organ des menschlichen Körpers ist. Mehr als 23 000 Nierenverpflanzungen wurden allein in den letzten fünf Jahren weltweit vorgenommen. Vielleicht 100 000 gar sind es optimistischen Schätzungen zufolge, seit Richard Herrick, ein Seesoldat der US-Küstenwache, in Boston 1954 den ersten Eingriff dieser Art gesund überstand.

165 Nieren wurden in der Bundesrepublik 1975 verpflanzt. 922, die Operationsbilanz der unterdes zwanzig Zentren zusammengerechnet, waren es im vergangenen Jahr. Und wo vor einigen Jahren in den ersten zwölf Monaten nach der Operation nur etwa jede zweite Niere funktionierte, liegen in einzelnen Zentren diese Raten heute bei bis zu 90 Prozent. Generell leisteten die aus der Übertragung von Nierengewebe gewonnenen Erfahrungen Schrittmacherdienste für die gesamte Transplantationschirurgie.

Diese Ergebnisse sind sowohl das Resultat chirurgischen Könnens als auch einer sprunghaft erweiterten Erkenntnis über einige Funktionen des Abwehrsystems. Denn die bei Organübertragungen nach wie vor größte Gefahr für den Langzeiterfolg geht von der Kapazität des menschlichen Immunapparates aus, die Zellen des von einem anderen Körper stammenden Gewebes als „fremd“ zu erkennen und mithin zu bekämpfen.