Der Bundesligaklub Braunschweig soll als "BTSV Jägermeister" wieder schuldenfrei werden.

Wenn nicht alles trügt und die Mitgliederversammlung dem Ansinnen ihre Zweidrittelmehrheit nicht vorenthält, wird der traditionsreiche Braunschweiger Sportklub mit dem traditionsreichen Namen "BTSV Eintracht" demnächst mit allen aufgelaufenen Schulden in der Versenkung des Vereinsregisters verschwinden und – simsalabim – kurz darauf wie neugeboren vor uns hintreten: als "BTSV Jägermeister", mit einem Namen also, der uns – immerhin – auch irgendwie bekannt vorkommt.

Nein, die Nachricht schockiert uns nicht, sie bringt uns nicht einmal ins Grübeln. Der Deutsche Fußballbund hat nach den Worten seines Pressesprechers zwar "Bedenken" gegen die neuerliche Braunschweiger Pioniertat, aber keine "Handhabe". Wie sollte er auch, wo er doch in seinem "Handbuch für Vereins- und Verbandsmitarbeiter" selber eine Gebrauchsanweisung für derartige Fälle geliefert hat, in der fürsorglich formuliert ist: "Diese Form der Werbung sollte man nur mit Firmen abschließen, die bereit sind, langfristige Verträge einzugehen, da der Name des Vereins nicht ständig geändert werden kann." Wie wahr. Und: "Zu dieser Version wird man sich deshalb nur in begründeten und wohlüberlegten Ausnahmefällen entscheiden."

Drei Millionen Mark Schulden, die sich wegen sinkender Zuschauerzahlen bis zum Saisonende gewiß noch erhöhen, begründen in Braunschweig den Ausnahmefall. Likörfabrikant Günter Mast, der keinen Sportler und keinen Sportverein verkommen läßt, wenn er nur bereit ist, sich die Hörner des Wolfenbüttler Hirsches aufsetzen zu lassen, stand wieder einmal mit einem verführerischen Angebot als Retter auf der Matte: Er versprach die Bilanz auszugleichen, wenn man ihm dafür den Namen verpfände.

Wie es scheint, sind die Braunschweiger dazu bereit. Sie haben wohl auch keine andere Wahl. Sie leben seit Jahren in enger Anlehnung an die breite Schulter des Spirituosen-Fabrikanten, und wenn der auch treuherzig beteuert, in das Klub-Management niemals hineingeredet zu haben und auch nicht hineinreden zu wollen, so wird doch die Abhängigkeit immer größer.

Günter Mast ist der letzte, dem man daraus einen Vorwurf machen darf. Er ist ein ehrenwerter Kaufmann und ein aufrichtiger Freund des Sports. Kein "geborener" Sportfreund, wie er selber zugibt, sondern einer, der von der Werbung her dazu geworden ist und dabei hartnäckig die Überzeugung vertritt, daß sein Vorteil auch der Vorteil des deutschen Sports sei. Über fünfzigtausend Mannschaften hat er inzwischen mit seinen Trikots ausgestattet, darunter auch Sportmannschaften der Bonner Ministerien, und daß er es unter diesen Umständen gar nicht mag, wenn ihm einer mit "hehren Vorstellungen" ins Gehege kommt, kann man wohl verstehen.

"Hehre Vorstellungen" in dieser Sache zu unterdrücken, fällt ja nun relativ leicht; ein paar rein sportgeschäftliche Erwägungen indessen mögen erlaubt sein. Zum Beispiel diese: Seit einem Dutzend Jahren etwa steht der Wolfenbüttler Spirituosen-Hersteller dem Braunschweiger Verein zur Seite. In dieser Zeit hat er dem Klub etwa 20 Millionen Mark zukommen lassen – mit dem Ergebnis, daß die Eintracht heute ärmer dasteht denn je zuvor. Erst haben sie dem Günter Mast ihre Hemdbrust als Werbefläche verkauft, dann mußten sie ihr Stadion verhökern, und nun steht gar der Vereinsname zur Disposition. Sollten sie vielleicht noch ihre Seele zu verkaufen haben, wird sie wohl demnächst an der Reihe sein.