Die frühere Sekretärin des Industrieministers Parkinson teilte der Presse mit, daß der Minister die Öffentlichkeit über ihre Liebesbeziehung falsch informiert habe. Darauf mußte der „Kronprinz“ Margaret Thatchers zurücktreten. Die Position der britischen Regierungschefin hat durch diese Affäre gelitten.

Cecil Parkinson, ein erfolgreicher Politiker, der auch den Wahlkampf für Margaret Thatcher organisierte, hatte fast sieben Jahre ein Verhältnis mit seiner ehemaligen Sekretärin Sara Keays. Sie erwartet jetzt von ihm ein Kind. Die Beziehung wurde der Öffentlichkeit kurz vor dem Beginn des Parteitags der Konservativen bekannt. Obwohl Kritik an dem Verhalten Parkinsons laut wurde, sah es so aus, als ob er die Affäre politisch überstehen würde. Margaret Thatcher stellte sich vor ihren engen Verbündeten, sprach ihm ihr Vertrauen aus und lehnte ein Rücktrittsgesuch ab. Auch der Verlauf des Parteitages in Blackpool ließ vermuten, daß Margaret Thatcher ihren Industrieminister im Amt halten könne: Wider Erwarten empfingen die Delegierten den Angegriffenen mit freundlichem Beifall. Und Parkinson verkündete noch am Donnerstag, er werde weitermachen.

Nachdem jedoch die den Konservativen nahestehende Times am Freitagmorgen über ein Gespräch mit Sara Keays berichtete, in der sie ihren ehemaligen Geliebten beschuldigte, er habe die Öffentlichkeit über ihre Beziehung falsch unterrichtet, wurde der Rücktritt unvermeidlich. Denn der Minister hatte den Briten zuviel verschwiegen. Miß Keays erzählte, Parkinson habe gegenüber der Schwangeren am 9. Juni, dem Tag der Unterhauswahl, sein Heiratsversprechen, das er ihr bereits vor Jahren gegeben habe, wiederholt. Er habe versprochen, die Premierministerin davon zu unterrichten, daß er sich von seiner Frau trennen werde.

Anschließend sei er jedoch mit seiner Familie in den Urlaub gefahren. Nach der Rückkehr habe er der Freundin mitgeteilt, er lasse sich nun doch nicht scheiden. Besonders dieses wechselhafte Verhalten wurde Parkinson nun zum Vorwurf gemacht.

Der Parteitag, der von der Affäre geprägt wurde, endete jedoch nicht nur deshalb in einer Krisenstimmung. Bekannt wurde in diesen Tagen auch ein Bericht der Jugendorganisation der Konservativen über erfolgreiche Unterwanderungsversuche von Rechtsradikalen. Margaret Thatchers ehemaliger Außenminister Pym warnte öffentlich vor noch höheren Arbeitslosenzahlen.

Mit einer raschen Kabinettsumbildung versuchte die Premierministerin das Unbehagen einzudämmen. Sie ernannte den bisherigen Arbeitsminister Tebbit, einen Anhänger ihres harten Kurses, zum Nachfolger von Parkinson. Auch zum neuen Arbeitsminister ernannte die Regierungschefin einen kompromißlosen Verfechter ihrer Wirtschaftspolitik. W. S.