Von Roger de Weck

Das satirische Wochenblatt Le Canard enchaîné ist in Frankreich eine Institution. Die Enthüllungsgeschichten der Canard-Journalisten muß jeder französische Politiker fürchten: weil sie manchmal stimmen und manchmal eben nicht. Doch in beiden Fällen gibt es jeweils viel Ärger.

Verdrießlich sind derzeit freilich weder „Tonton“ (so, haben die Canard-Schreiber Mitterrand umgetauft) noch „Gros Quinquin“ (Premier Pierre Mauroy), sondern die schweizerischen Bankiers. Denn Ende September schlug das Enthüllungsblatt wieder einmal zu und berichtete, daß Frankreichs Zollfahnder in den Besitz einer Liste von fünftausend französischen Kunden, der Schweizerischen Bankgesellschaft – der größten helvetischen Bank – gelangt seien. Im Rahmen einer großangelegten Operation „BUS“ seien vierhundert Beamte aufgeboten worden, um jedem einzelnen Kapitalflüchtling den Garaus zu machen.

Der oberste Zollfahnder Robert Pancrazi, so fuhr Le Canard fort, habe seine Agenten schriftlich angewiesen, die Verdächtigen besonders hart ins Verhör zu nehmen und unzimperlich unter Druck zu setzen, um ihnen ein Geständnis abzuringen; notfalls solle man Hausdurchsuchungen vornehmen. Wie aber war es den französischen Zöllnern, die auch als Devisenpolizisten fungieren, gelungen, das legendäre schweizerische Bankgeheimnis zu lüften? Ist auf die schweizerischen Bankiers kein Verlaß mehr?

Laut Canard schöpften die triumphierenden Fahnder ihr Wissen gleich aus drei Quellen: