Der Deutschlandfunk ein Jahr nach dem Regierungswechsel in Bonn: Mißliebige Redakteure werden gerügt, unbequeme Nachrichten unterdrückt, das Meinungsspektrum beschnitten.

Der Deutschlandfunk reagierte schnell. Kaum waren die „Fünf Mahn-Minuten“ verstrichen, zu denen der Deutsche Gewerkschaftsbund aufgerufen hatte, da berichteten schon drei Reporter über die bundesweite Friedensmanifestation.

12.05, Klaus Prömpers aus der Kölner Innenstadt: „Es war eigentlich nichts zu sehen. Es blieben keine Straßenbahnen stehen. Eigentlich war nichts davon zu merken, daß die Leute hier innehielten und tatsächlich Mahnminuten im Schweigen verbrachten.“

12.06, Gerd Nagel aus Berlin: „Derselbe Eindruck für mich wie eben gehört aus Köln.“

12.11, Hans-Peter Riese aus dem Bundespresseamt in Bonn: „In dem Moment, wo der Betriebsobmann des DGB die fünf Minuten ankündigte, sagte ein Vertreter der Amtsleitung, nun würde die Freiheitsglocke von Berlin über die Hausanlage läuten. Diese Freiheitsglocke läutete genau fünf Minuten ... Als der DGB-Vertreter zu sprechen versuchte, wurde die Hausanlage wieder eingeschaltet, es ertönte wiederum die Freiheitsglocke ... Die Reaktion der etwa einhundert Versammelten war empört. Man sprach von akustischem Terror.“

Herbert Czaja, CDU-Vertreter im Rundfunkrat des Senders, reagierte ebenso schnell. Die drei Journalisten hatten kaum an das Funkhaus in Köln „zurückgegeben“, da forderte der deutschlandpolitische Rechtsaußen der Union eine Abschrift ihrer Berichte an. Czajas späteres Urteil über die Sendung: „Ganz einseitig. Es wurde niemand befragt, der die fünf Minuten nicht eingehalten hatte.“

Und noch jemand hatte es an diesem 5. Oktober 1983 eilig. Karl Feldmeyer, Bonner Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sekundierte: „Ein offenkundig ebenfalls Friedensbewegter bezeichnete im Deutschlandfunk das Läuten der Freiheitsglocke als ,akustischen Terror‘.“