Stahlaktien zählen derzeit zu den umstrittensten Papieren der deutschen Börse. Einerseits fordern die Unternehmen massive Hilfe aus Bonn, um im Subventionswettbewerb bestehen zu können, andererseits sehen die Börsianer mit 1984 schon ein Superstahljahr heraufziehen.

Zu den echt notleidenden Unternehmen werden nur noch Klöckner und Krupp gerechnet. Bei Hoesch und Thyssen, so heißt es, werden im kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. „Wir rechnen mit einem Auslaufen des rezessiven Trends gegen Ende dieses Jahres“, schreibt die ADCA-Bank.

Die Ertragswende wird nicht allein durch eine sich steigernde Stahlnachfrage ausgelöst; wirksam werden die Stillegung alter Anlagen, der Personalabbau, die Schuldenreduzierung und vor allem die Konzentration auf Bereiche, in denen die Unternehmen dem Wettbewerb noch gewachsen sind.

Gleichwohl bleibt es erstaunlich, daß bei Hoesch heute bereits von der Möglichkeit der Wiederaufnahme der Dividendenausschüttungen gesprochen wird. Denn der Wunsch nach Steuergeldern und gleichzeitige Zahlungen an die Aktionäre sind schwer in Einklang zu bringen.

Die Börsianer haben Hoesch-Aktien bislang den Vorzug gegeben. Neuerdings sind Thyssen-Aktien mit in den Vordergrund gerückt, obwohl die Gefahr besteht, daß bei Thyssen das am 30. September abgeschlossene Geschäftsjahr wegen weiterer Abschreibungen auf die Tochtergesellschaft BUDD (USA) noch mit Verlust abschließen wird. Immerhin hat es bei Thyssen für das Geschäftsjahr 1981/82 noch eine Anstandsdividende von zwei Mark gegeben. Es spricht für die Stabilität des Thyssen-Kurses, daß er auf das drohende Scheitern der Stahlehe Thyssen-Krupp eher positiv reagiert hat. K. W.