Wenn ausländische Journalisten nach Bonn kommen, stellt das Bundespresseamt seine guten Dienste zur Verfügung. An diesem Wochenende, pünktlich zur großen Friedensdemonstration, beehrt eine Reisegruppe der World Media Conference die Bundeshauptstadt. Das Bundespresseamt läßt die Besucher vom Flughafen abholen, läßt sie durch den Bundestag fuhren, sorgt dafür, daß sie sich im Bonn des heißen Herbstes nicht verlaufen und veranstaltet ein informatives Treffen der Gruppe mit zwei Beamten des Auswärtigen Amts zum Thema Nachrüstung.

Daß die angereisten Journalisten im Sinn der Bundesregierung rapportieren werden, steht zu erwarten: Einen militanteren Antikommunisten als den Sponsor der World Media Conference wird man schwer finden. Es handelt sich um den Koreaner Sun Myung Moon, den Chef, selbstgekürten Heiland und finanziellen Hauptnutznießer der „Vereinigungskirche“. In seinen Schriften belehrt Moon seine Anhänger über den bevorstehenden Dritten Weltkrieg zwischen dem christlichen Westen und dem „satanischen“ Bolschewismus.

All das ist in Bonn kein Geheimnis. Auf der Suche nach Gesprächspartnern für die Journalistengruppe fragten die Organisatoren auch ganz unschuldig bei einem Politiker an, der selbst ein Kind an die Moon-Sekte verloren hat und von ihren Gehirnwäsche-Methoden zu erzählen weiß. Das Bundespresseamt erfuhr auch Neues über die Umtriebe des Reverend aus Korea, der als Steuerhinterzieher vor einem Monat von einem amerikanischen Berufungsgericht rechtskräftig zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist. Traut sich da einer noch zu dem Argument, die Höflichkeit gegenüber Moons Gefolgsleuten sei ein Zeugnis der Amerika-Freundschaft? Aus dem Bundespresseamt ist immerhin zu hören, den ganzen Besuch habe der Korrespondent der Washington Times arrangiert. Gewiß, das Blatt gehöre dem unsympathischen Moon, aber sei immerhin eine ernstzunehmende Tageszeitung, der auch Ronald Reagan schon ein Interview gewährt habe.

Peter Boenisch selbst hat gegen die Proteste der Eltern Moon-süchtiger Kinder das Betreuungsprogramm genehmigt; aus seinem Amt hört man die Rechtfertigung, auch regierungstreue Journalisten aus Diktaturen erführen die Courtoisie des Amtes. Es gebe ja auch Leute, die sagten, der Kreml sei ein Verbrecherzentrum. Und wer wisse schon, hinter welchen Zeitungen die Mafia stecke?

Das Presseamt hat etwas vergessen. Kein Juri Andropow wirbt für den Kommunismus, kein Pate heuert Kriminelle an mit dem Verweis auf die guten Kontakte zur Bundesregierung. Aber: Wie glaubwürdig ist eine Regierung, deren Innenministerium in farbigen Schaubildern die Friedensbewegung wegen ihrer Zusammenarbeit mit kommunistischen Gruppen anprangert, deren Presseamt aber um günstige Berichterstattung bei den Gefolgsleuten des Rattenfängers Moon wirbt?

HJG