DIE ZEIT

Junger Warner

Sartre verspottete ihn zum 50. Geburtstag als „den 100jährigen“ – aber als er am Montag im Alter von 78 Jahren beim Verlassen des Pariser Justiz-Palastes starb, war er ein junger Mann: Raymond Aron, Mitschüler von Jean-Paul Sartre und Paul Nizan an der Elite-Schule Ecole Normale Superieure, mit de Gaulle London-Emigrant im Zweiten Weltkrieg und von 1946 bis 1947, als Herausgeber des Combat in Paris, Vorgänger von Albert Camus.

Mitgefangen

Will Ronald Reagan 1984 wieder für die amerikanische Präsidentschaft kandidieren – und bei Erfolg als erster Präsident seit Eisenhower vor fast drei Jahrzehnten zwei volle Wahlperioden im Weißen Haus regieren? Washingtons beliebtestes Gesellschaftsspiel – rennt Ronny oder rennt er nicht – ist zwar noch nicht zu Ende, aber die Anzeichen mehren sich: Eben hat der Präsident das Dokument unterzeichnet, das seine Wahlkampf-Organisation ins Leben ruft.

Der Kampf geht auch um Bonn

Hans-Dietrich Genscher, bedürfte er des Trostes, kann sich am genius loci aufrichten. Sicherheit für Europa durch ein System von Konferenzen zu finden, auf denen die Großmächte ihre Aktionen konzentrieren sollten – das mißlang am Ende selbst Klemens Metternich.

Worte der Woche

„Ich muß in bestimmten Abständen auch mal ausbrechen, einfach fortgehen, zu Fuß ein Stück laufen, mit Leuten, die ich treffe, die ich gar nicht kenne, ein Wort reden, und zwar nicht immer hochgeistige Gespräche, sondern einfach so.

Zeitspiegel

Sind Margaret Thatcher und ihr Denis wirklich so, wie englische Kabarettisten sie uns darstellen? Der Observer will jetzt erfahren haben, daß Mr.

Spitzenkandidat der Berliner SPD: Der Ackergaul auf Ochsentour

Als zu Anfang dieses Jahres noch eine Findungskommission des SPD-Landesvorstandes in Westdeutschland nach einem Spitzenkandidaten für die nächste Berliner Wahl suchte, erklärte Harry Ristock schon seinen engsten Freunden, daß er sich für eine Kandidatur bereithalte.

Abgeordnete: Mehr in die eigene Tasche

Was lange währt, wird endlich gut? Diese so beruhigende Spruchweisheit wird der Deutsche Bundestag kaum anwenden können, wenn es um die Erhöhung der Diäten seiner Abgeordneten geht, wie sie in der letzten Woche, unbeschadet der Ausschußberatungen, zumindest auf dem parlamentarischen Weg, wenn nicht sogar schon zu einem Abschluß gebracht worden ist.

Bundespresseamt: Hilfe für die Moonies?

Wenn ausländische Journalisten nach Bonn kommen, stellt das Bundespresseamt seine guten Dienste zur Verfügung. An diesem Wochenende, pünktlich zur großen Friedensdemonstration, beehrt eine Reisegruppe der World Media Conference die Bundeshauptstadt.

Mittelamerika: Kissinger unterwegs

Die Entwicklung in Nicaragua sei „das große Problem“ der mittelamerikanischen Krisenregion. Mit diesem Eindruck kehrte die von Präsident Reagan eingesetzte Mittelamerika-Kommission nach Washington zurück.

Japan: Die Tanaka-Krise

Der Verurteilte nahm den Richterspruch im Lockheed-Prozeß auf die leichte Schulter. „Dieses Urteil nehme ich nicht ernst“, soll Kakuei Tanaka dem Gericht getrotzt haben, das ihn zu vier Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 500 Millionen Yen (rund 5,5 Millionen Mark) verurteilte.

England: Die Parkinson-Affäre

Die frühere Sekretärin des Industrieministers Parkinson teilte der Presse mit, daß der Minister die Öffentlichkeit über ihre Liebesbeziehung falsch informiert habe.

BONNER BÜHNE: Kisten, Raketen und die Staatsgewalt

Was ist in den Kisten drin?“ So frisch und direkt werden selbst in der Fragestunde des Bundestages selten Fragen gestellt wie in diesem Fall von dem Abgeordneten der Grünen, Milan Horacek, an den Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter-Kurt Würzbach.

Über die Pflicht zum Ungehorsam

Ich habe mir den Wahlspruch zu eigen gemacht: „Die beste Regierung ist die, welche am wenigsten regiert“; und ich sähe gerne, wenn schneller und gründlicher nach ihm gehandelt würde.

Wolfgang Ebert: Gegenoffensive

Um der Friedensbewegung propagandistisch den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat die Bundesregierung einige Werbespots drehen lassen, die demnächst über unsere Bildschirme flimmern werden.

Ben Witter: Angetippt

Dieser Mann wird niemals sagen, daß er arbeitslos ist, eher schon, daß er zur Zeit ohne Beschäftigung ist, nein, beides nicht, er würde höchstens sagen, daß er sich im Zuge von Rationalisierungen oder gewisser Umstellungen, je nachdem, von seiner Firma lösen mußte und nun in der Lage sei, sich in aller Ruhe nach etwas anderem umzusehen und entsprechende Kontakte zu knüpfen.

Buddhisten im Sauerland: „Die müssen hier weg“

Gepflegte Gastlichkeit“ verspricht werbend eine Holztafel am Rande des Sauerland-Dorfs Medelon, unweit von Winterberg. Was für etwa 2000 zumeist ältere Urlaubsgäste pro Jahr durchaus zutreffen mag, hat für eine vor einem Jahr zugezogene Hausgemeinschaft kaum Geltung.

Nein zur Stationierung

Eine Gruppe von Bürgern der DDR hat in der Frage der Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen einen Brief an die Mitglieder des Bundestages der Bundesrepublik Deutschland gerichtet.

Die Lage in Hessen: Börners Wort zum Sonntag

Mit der Parole „Schafft klare Verhältnisse“ waren die hessischen Sozialdemokraten in den Wahlkampf gezogen, und als sich dann das neugewählte Parlament konstituiert hatte, zeigten sich die Verhältnisse kaum weniger verworren als vor der Wahl.

Arbeitsmarkt: Häuslebauer aus der DDR

Bauunternehmer Werner Eisel aus Echterdingen verstand die Welt nicht mehr. „Lauter handverlesene Leute“ hatte er auf seine Baustelle im schwäbischen Mössingen geholt, und jetzt sollen sie, laut Beschluß des Gemeinderates, Ende November wieder verschwinden.

Der „relative“ Aufschwung

Es war wohl der Schriftsteller Gregor von Rezzori, der das „relative Hemd“ erfunden hat. Er bezeichnete damit in einer seiner Erzählungen das jeweils sauberste Hemd unter den schon benutzten.

Der Schock war heilsam

Vor zehn Jahren traf es die Autofahrer wie ein Schock: Ihr Treibstoff, Benzin und Diesel, wurde plötzlich knapp; Öl, der Antrieb für die Industrien der westlichen Welt, war nicht mehr überall verfügbar, nachdem die arabischen Staaten den Ölhahn nach dem Oktober-Krieg gegen Israel zugedreht hatten.

Stahlindustrie: Techtelmechtel

Die einen verhandelten erst gar nicht, die anderen wurden sich nicht einig. Und so sieht es derzeit so aus, als probten Deutschlands Stahlunternehmen den Alleingang.

Europäische Gemeinschaft: Keine Pleite

An Hiobsbotschaften aus der Europäischen Gemeinschaft hat man sich ja schon gewöhnt, in der vorigen Woche aber schien es dann doch ernst zu werden: „Brüssel meldet sich zahlungsunfähig“, hieß es etwa in der Süddeutschen Zeitung.

Im Clinch mit der Elektronik

Sicherlich wäre er lieber Vorsitzender einer Gewerkschaft mit dem monströsen Namen „IG Medien und Kultur / Druck und Papier, Publizistik, Rundfunk, Film, Kunst“ geworden.

Bonner Kulisse

Wer immer sich in diesen Tagen bei der FDP Hoffnungen auf die Nachfolge von Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff macht, ob nun der FDP-Vorsitzende von Baden-Württemberg, Jürgen Morlok, oder der Wirtschaftssprecher der Bonner FDP-Fraktion, Helmut Haussmann – um nur die beiden wichtigsten Namen zu nennen –, er wird noch eine Weile warten müssen.

Hapag-Lloyd: Rückzug

Das Kapital der Hapag-Lloyd AG wird zum zweiten Mal in diesem Jahr von 180 auf 120 Millionen Mark zusammengelegt und danach wieder auf 180 Millionen aufgestockt.

Prämien für eine Formel-Traumwelt

Ließe sich ein Medizinpreis für Siege an der Krebsfront denken, solange diese tückische Krankheit Millionen Menschen Jahr für Jahr dahinrafft? Schwerlich.

Italien: Die neue Not

Ein Herr im grauen Zweireiher steht in Mailand an der Bushaltestelle. Er liest den Corriere della Sera. Als er die letzte Seite umblättert, fällt sein Blick auf die Mülltonne neben ihm.

Börsen-Report: Heißer Stahl

Stahlaktien zählen derzeit zu den umstrittensten Papieren der deutschen Börse. Einerseits fordern die Unternehmen massive Hilfe aus Bonn, um im Subventionswettbewerb bestehen zu können, andererseits sehen die Börsianer mit 1984 schon ein Superstahljahr heraufziehen.

MANAGER UND MÄRKTE

Mit einem Federstrich entgeht das Klöckner-Imperium der Gefahr, vom Fiskus geschröpft zu werden. Weil eine Familienstiftung nahezu alleiniger Eigentümer des Duisburger Handelshauses Klöckner & Co.

Ungeliebte Konkurrenz

ZEIT: Der Bundesgesundheitsrat, ein beratendes Gremium unter der Leitung des Gesundheitsministers Heiner Geißler, plädiert für eine Beschränkung der „Kurierfreiheit“ auf Ärzte.

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